Kirchen & Klöster
Schweidnitz, Niederschlesien
Der Turm der Kathedrale von Świdnica (Schweidnitz) ist 101,21 m hoch – der höchste Kirchturm ganz Schlesiens und der sechsthöchste Polens. Darunter steht eine der größten Kirchen Niederschlesiens: eine gotische Basilika, die die Jesuiten mit barocker Ausstattung füllten und die die Preußen über ein Jahrzehnt lang als Getreidespeicher nutzten. Seit 2004 ist sie Kathedrale des Bistums Świdnica, seit 2017 polnisches Geschichtsdenkmal.
Die Kirche entstand im Auftrag von Herzog Bolko II. von Schweidnitz, nachdem ein älterer Holzbau abgebrannt war. Als Baubeginn gilt 1330; der Legende nach legte der Herzog den Grundstein selbst. Um 1400–1410 wurde die Kirche erweitert, und nach einem Brand 1532, der die gotische Ausstattung vernichtete, war der Wiederaufbau 1546 abgeschlossen. 1561–1629 nutzten die Protestanten die Kirche, 1662 übernahmen die Jesuiten das Patronat und gestalteten das Innere um 1700 barock um. Nach der Aufhebung des Ordens diente der Bau den preußischen Behörden 1757–1772 als Getreidespeicher. Eine Restaurierung 1893–1895 kostete viele originale Details. Am 25. März 2004 errichtete eine Bulle von Johannes Paul II. das Bistum Świdnica, und die Kirche wurde zur Kathedrale – kurioserweise die einzige in Polen ohne Chorgestühl für ein Domkapitel.
An einer Wand hängt das Epitaph von Martin Früauf, dem letzten katholischen Pfarrer vor der Reformation; die lateinische Inschrift vermerkt, dass er im Alter von 99 Jahren, 3 Monaten und 6 Tagen starb. Vor der Sakristei liegt die Grabplatte von Pfarrer Hugo Simon, gestorben 1897, mit der Inschrift „Voluit Quiescit“ – „Er wollte es, er ruht hier“. Im Kirchhof steht eine Florianssäule von 1684.
Die Kathedrale ist montags bis samstags von 10:00 bis 17:45 Uhr zu besichtigen, außer während Messen und Andachten. Das Ticket, zugleich eine Spende, kostet 15 PLN (ermäßigt 10 PLN für Personen bis 25 Jahre und Senioren ab 60), Kinder bis 6 Jahre haben freien Eintritt, ein Audioguide kostet zusätzlich 15 PLN. Schultern und Knie müssen bedeckt sein, Fotografieren ist ohne Blitz erlaubt. Für den Innenraum sollten Sie etwa eine Stunde einplanen. Verbinden Sie den Besuch mit der Friedenskirche von Świdnica, die zum UNESCO-Welterbe gehört und nur einen kurzen Spaziergang entfernt ist.
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