Kirchen & Klöster
Turzańsk, Karpatenvorland
Fünf Zwiebelkuppeln über einem einzigen langen Dach und ein hölzerner Glockenturm in derselben Achse, der angeblich der höchste in den polnischen Karpaten ist – so sieht die Cerkiew (Holzkirche des Ostritus) des Erzengels Michael in Turzańsk aus. Das Gotteshaus von 1801–1803 ist eines der besten Beispiele lemkischer Sakralarchitektur – die Lemken waren ein ruthenisches Bergvolk, das einst hier lebte – und wurde 2013 zusammen mit den Holzkirchen der Karpatenregion in Polen und der Ukraine in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. Sie steht an einem Hang im westlichen Teil des Dorfes, wenige Kilometer von Komańcza entfernt.
Eine Kirche in Turzańsk, zunächst orthodox, später griechisch-katholisch, wird bereits 1526 erwähnt. Der heutige Bau entstand Anfang des 19. Jahrhunderts, 1836 kamen Vorhalle und Sakristei hinzu, und Renovierungen um 1900 und 1913 brachten unter anderem ein Blechdach. Noch um 1900 waren fast alle Dorfbewohner ruthenischsprachige griechisch-katholische Christen. Nach der Vertreibung der Lemken in der „Aktion Weichsel“ 1947 nutzten römische Katholiken aus der Pfarrei Komańcza die Kirche, am 10. August 1961 wurde das Gebäude behördlich versiegelt. Seit 1963 dient sie der orthodoxen Gemeinde und gehört zur Diözese Przemyśl-Gorlice.
Eine örtliche Legende erklärt, warum die Kirche genau hier steht. Als die alte Kirche auf dem Hügel brannte, soll eine Ikone der Gottesmutter durch ein Fenster geflogen und an der Stelle gelandet sein, an der heute das Gebäude steht. Die Dorfbewohner sahen darin ein Zeichen und errichteten dort die neue Kirche.
Es handelt sich um eine lemkische Holzkirche des nordöstlichen Typs: dreiteilig, ohne Westturm, in Blockbauweise und mit einem einzigen, vielflächigen Dach. Über Vorraum, Schiff, Altarraum und beiden Sakristeien erheben sich fünf ähnliche Zwiebeltürmchen mit Scheinlaternen und schmiedeeisernen Kreuzen. Die Wände sind mit senkrechten Brettern verschalt. Innen überspannen achtseitige Zeltkuppeln die drei Hauptteile.
Dies ist eine aktive Pfarrkirche und kein Museum, feste Öffnungszeiten gibt es daher nicht – den Innenraum sehen Sie am ehesten während eines Gottesdienstes oder nach vorheriger Absprache mit der Pfarrei oder dem Gemeindeamt Komańcza. Bau und Glockenturm beeindrucken auch von außen; für einen Rundgang genügen 20–30 Minuten. Auf der Straße 892 von Szczawne Richtung Komańcza biegen Sie in Rzepedź auf die Nebenstraße nach Turzańsk ab. Die Kirche liegt an der Route der Holzarchitektur im Karpatenvorland (Abschnitt Sanok–Dukla) und lässt sich gut mit weiteren Holzkirchen rund um Komańcza verbinden. Bitte verhalten Sie sich ruhig und fragen Sie, bevor Sie im Innenraum fotografieren.
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