Kirchen & Klöster
Warschau, Masowien

Audioguide
Station 8 von 13 · Diese Sehenswürdigkeit ist Station eines Audio-Spaziergangs
„Ein Attentat auf den König, ein Gang über der Gasse und eine Fassade, die es nie gab.”
13 Stationen 90 Min. 2,9 km
Die Johanneskathedrale in Warschau – offiziell Archikathedralbasilika St. Johannes der Täufer, Świętojańska 8 – ist die Hauptkirche der polnischen Hauptstadt und eine der nationalen Ruhmeshallen Polens. Sie steht mitten in der Altstadt, die zum UNESCO-Welterbe gehört, nur wenige Schritte vom Königsschloss entfernt. Hier wurden Könige gekrönt und die Verfassung vom 3. Mai 1791 beschworen; in den Krypten ruhen der letzte König Polens, masowische Herzöge, Staatspräsidenten und der Nobelpreisträger Henryk Sienkiewicz. Die Backsteinfassade ist zugleich ein Symbol für den Wiederaufbau Warschaus nach 1945.
Das älteste belegte Datum ist 1339: Damals tagte in der Pfarrkirche St. Johannes ein päpstliches Gericht, das den Deutschen Orden zur Rückgabe besetzter Gebiete an Polen verurteilte. 1398–1406 wurde die Kirche zur Kollegiatkirche erhoben. Nachdem Masowien 1526 an die Krone Polen gefallen war, wurde sie zu einer der wichtigsten Kirchen der Adelsrepublik und eng mit dem benachbarten Königsschloss verbunden.
Ende des 16. Jahrhunderts ließ Königin Anna Jagiellonica die Kirche durch einen rund 80 m langen überdachten Gang mit dem Schloss verbinden. Nach dem Attentatsversuch Michał Piekarskis auf Sigismund III. vor dem Kirchenportal 1620 wurde er verlängert, damit der König sicher zum Gottesdienst gelangte. Im 17. Jahrhundert erhielt der Innenraum eine barocke Ausstattung: König Sigismund III. Wasa stiftete den Hochaltar, Johann III. Sobieski das Chorgestühl zur Erinnerung an den Sieg vor Wien 1683. Gekrönt wurden hier Stanisław Leszczyński (1705) und Stanisław August Poniatowski (1764). Am 3. Mai 1791 leisteten König und Abgeordnete in der Kirche den Eid auf die Verfassung – die erste moderne geschriebene Verfassung Europas. 1798 wurde die Kirche Kathedrale, kurz darauf Erzkathedrale. Im 19. Jahrhundert gestaltete Adam Idźkowski die Fassade im Stil der englischen Neugotik um.
Schon im September 1939 trafen deutsche Bomben die Kirche. Während des Warschauer Aufstands 1944 wurde in und um die Kathedrale gekämpft; deutsche Truppen fuhren einen mit Sprengstoff beladenen Panzer in das Gebäude, und nach der Niederschlagung des Aufstands sprengten sie die Mauern – rund 90 Prozent des Baus wurden zerstört. Den Wiederaufbau leitete der Architekt Jan Zachwatowicz, der bewusst die mittelalterliche masowische Backsteingotik und nicht die Fassade des 19. Jahrhunderts rekonstruierte. Heute ist der Innenraum eine dreischiffige Hallenkirche mit schlichtem Backsteincharakter. Am 9. Juni 1960 weihte Kardinal Stefan Wyszyński die Kathedrale erneut. Seit 1980 gehört die wiederaufgebaute Altstadt mit der Kathedrale zum UNESCO-Welterbe.
Am 2. Juni 1979 begann Papst Johannes Paul II. hier seine erste Pilgerreise in das damals kommunistische Polen.
Der Rundgang durch die Krypten ist als kleiner Lehrpfad gestaltet. Hier ruhen masowische Piastenherzöge, der letzte polnische König Stanisław August Poniatowski, die Präsidenten der Zweiten Republik Gabriel Narutowicz und Ignacy Mościcki, General Kazimierz Sosnkowski, der Schriftsteller Henryk Sienkiewicz („Quo vadis“), der Pianist und Staatsmann Ignacy Jan Paderewski sowie die Erzbischöfe von Warschau.
Plane 30–60 Minuten ein. Die Informationen vor Ort sind überwiegend polnisch; angemessene Kleidung wird erwartet.
Die Kathedrale liegt in der verkehrsberuhigten Altstadt zwischen Schlossplatz und Altstädter Markt. Mit Bus oder Straßenbahn zum Schlossplatz oder mit der Metro bis Ratusz Arsenał, dann wenige Minuten zu Fuß. Parkplätze in der Altstadt sind knapp. Aus Berlin erreichst du Warschau mit dem Zug in rund fünfeinhalb Stunden.
Lohnt sich der Besuch? Unbedingt – in weniger als einer Stunde erfährst du hier viel über polnische Geschichte. Gleich nebenan liegen das Königsschloss, die Jesuitenkirche, der Altstädter Markt und die Barbakane.
Krypty: pon.–sob. 10:00–17:00, niedz. 15:00–17:00; zamknięte w czasie mszy i nabożeństw. Kościół czynny w porach mszy (dni powszednie 7:00, 7:30, 8:00, 19:00; niedziele 8:00–21:00).
Kościół – wstęp wolny; krypty: 5 zł normalny, 3 zł ulgowy, 4 zł grupowy (od 10 os.), 11 zł rodzinny.
Prüfe aktuelle Informationen vor dem Besuch.
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Geprüft: Oktober 2026