Burgen
Golub-Dobrzyń, Kujawien-Pommern
1977 fand im Hof der Burg Golub ein Ritterturnier statt — eine der ersten historischen Inszenierungen in Polen. Für 2026 kündigte die Burg bereits das 50. Große Internationale Ritterturnier an. Die Festung selbst ist über sechshundert Jahre älter: eine Konventsburg des Deutschen Ordens aus dem frühen 14. Jahrhundert, der Prinzessin Anna Wasa im 17. Jahrhundert ihre Renaissance-Attiken gab.
An dieser Stelle stand einst eine hölzerne Burg, die eine Furt über die Drewenz (Drwęca) sicherte und 1293 an den Deutschen Orden fiel. Mit dem Bau der gemauerten Burg begann man 1304–1306 auf Initiative des Landmeisters Konrad Sack. Vier Flügel entstanden um einen Hof: Im südlichen, wichtigsten lagen die Heilig-Kreuz-Kapelle mit verziertem Portal und der Remter; der Komtur bewohnte den Westflügel, die Ordensbrüder schliefen im Dormitorium des Ostflügels. Statt des aufgegebenen Hauptturms errichtete man einen zylindrischen, für Feuerwaffen ausgelegten Turm.
1329–1333 versuchte König Władysław Ellenlang dreimal vergeblich, die Burg einzunehmen. Vor der Schlacht bei Tannenberg (Grunwald) sammelte sich hier ein Teil des Ordensheeres; der hiesige Komtur Nicolaus Roder fiel 1410 in der Schlacht. Im Herbst desselben Jahres schlugen polnische Truppen vor der Burg ein zahlenmäßig überlegenes livländisches Heer. 1422, im sogenannten Golubkrieg, stürmte das Heer Jagiełłos die Burg nach einem Beschuss aus 14 Geschützen. Nach dem Dreizehnjährigen Krieg und dem Zweiten Thorner Frieden von 1466 kam Golub an Polen und wurde Sitz eines königlichen Starosten.
1616–1623 hatte Anna Wasa, die Schwester König Sigismunds III. Wasa, die Starostei Golub inne. Sie ließ der Burg spätrenaissancezeitliche Attiken, Ecktürmchen, neue Fenster und ein Vortorgebäude geben — deshalb unterscheidet sich Golubs Silhouette so deutlich von nüchternen Ordensburgen. Der Überlieferung nach wurde hier erstmals in Polen Tabak angebaut, der aus der Türkei stammte. 1623 weilte König Sigismund III. selbst auf der Burg. Der schwedische Einfall von 1655 beschädigte sie schwer, im 19. Jahrhundert riss ein Orkan Teile der Attiken herab. Der Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte vor allem 1959–1966.
Einer örtlichen Sage nach führte von der Burg ein Tunnel unter der Drewenz zur Burg in Radziki Duże. Als die Schweden Golub einnahmen, sollen die Bewohner durch ihn geflohen sein; die Verfolger hielt ein Felsblock auf, der in den Fluss stürzte und das Gewölbe zum Einsturz brachte. Der Stein aus der Erzählung soll noch heute im Fluss zu sehen sein.
Die Burg ist als gotisch-renaissancezeitliche Residenz zur Besichtigung geöffnet. In der ehemaligen Kanzlei und einem Turm befindet sich das Kujawisch-Pommersche Kräuterzentrum Anna Wasa mit Kräutern, Herbarien und Geräten zur Herstellung von Arzneien. Im zweiten Stock liegt das Hotel „Zamkowe komnaty“ mit 72 Betten.
Golub-Dobrzyń liegt etwa 43 km nordöstlich von Toruń (Thorn), die Burg lässt sich also gut in eine Tour durch das Kulmer Land einbauen. Für die Besichtigung sollten Sie etwa eine Stunde einplanen. Termin des Ritterturniers, Öffnungszeiten und Preise erfahren Sie auf der Website der Burg oder telefonisch — während des Turniers ist es voll, sonst deutlich ruhiger. Die Burg thront auf einem Hügel über der Stadt; am schönsten wirkt sie von unten aus dem Drewenztal, wo die ganze Fassade mit den Renaissance-Attiken sichtbar ist.
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