Burgen
Thorn, Kujawien-Pommern
Gegenüber der Altstadt, am anderen Weichselufer, stehen die Ziegelmauern einer königlichen Festung, die König Władysław Jagiełło direkt vor den Toren des damals vom Deutschen Orden beherrschten Thorn errichten ließ. Auf der Burg Dybów erließ König Kasimir IV. Jagiełło 1454 die Statuten von Nieszawa – Adelsprivilegien, die als Grundlage der polnischen Adelsdemokratie und des Parlamentarismus gelten. Die Ruine liegt in der Pufferzone der UNESCO-geschützten Thorner Altstadt.
Nach dem Frieden am Melnosee von 1422 gewann Jagiełło das linke Weichselufer zurück, und bereits 1423 (andere Quellen nennen 1424) begann der Bau – zuerst ein viergeschossiges Wohnhaus, dann Mauern mit Torturm, das Ganze umgeben von einem Wassergraben. Die Burg sollte die Schifffahrt auf der Weichsel und die Grenze zum Ordensstaat kontrollieren. Daneben wuchs die Siedlung Nieszawa heran, eine gefährliche Handelskonkurrentin für Thorn.
1431 eroberten die Thorner mit Unterstützung des Ordens die Burg und brannten Nieszawa nieder. Die Festung kam an Polen zurück und wurde 1454 zum Ort der Statuten. Auf Druck der Thorner Bürger wurde Nieszawa einige Dutzend Kilometer weichselaufwärts verlegt, wo es bis heute besteht. 1512 ging die Burg als Pfand an den Thorner Stadtrat. Den Niedergang brachten die Schwedenkriege: 1656 versuchten die Schweden, sie zu sprengen, 1703 zerstörte Beschuss aus der Stadt den Wohntrakt.
1813 verteidigten sich rund 40 französische Soldaten aus dem Korps von Marschall Ney drei Monate lang in der Ruine gegen russische Truppen und kapitulierten erst zusammen mit Thorn. Ausgrabungen 1998–2000 unter Leitung von Lidia Grzeszkiewicz-Kotlewska brachten gotische Ofenkacheln mit figürlichen Darstellungen, glasierte Kacheln der Frührenaissance – darunter ein Fragment mit einem gekrönten König – und Glaspokale zutage. Nach Angaben der Stadt ist dies neben der Krakauer die einzige so vielfältige Kachelsammlung Polens. Etwa 500 m von der Burg entfernt fanden Archäologen zudem Spuren des ursprünglichen Nieszawa.
Seit Juli 2024 betreut die Thorner Kulturagentur (Toruńska Agenda Kulturalna) die Burg; sie ließ die Mauern per Laser reinigen, das Grün pflegen und eine Videoüberwachung installieren. 2025 war die Ruine werktags von 12:00 bis 17:00 Uhr geöffnet, am Wochenende wegen laufender Arbeiten nur von außen zu sehen; prüfen Sie die aktuellen Zeiten vor dem Besuch. Von der Altstadt gehen Sie über die Piłsudski-Brücke etwa 15–20 Minuten, für die Ruine reichen 30–45 Minuten. Die Burg liegt am Radweg nach Włocławek, und jeden September findet hier ein Archäologiefest statt.
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