Kirchen & Klöster
Thorn, Kujawien-Pommern
Die Johanneskathedrale in Thorn (Toruń), offiziell Kathedralbasilika St. Johannes der Täufer und St. Johannes Evangelist, ist die größte Kirche der zum UNESCO-Welterbe gehörenden Altstadt. Hier wurde 1473 Nikolaus Kopernikus getauft. Der gotische Backsteinbau, an dem fast zwei Jahrhunderte gebaut wurde, bewahrt mittelalterliche Wandmalereien, zahlreiche Altäre und Epitaphe – und im Turm hängt die Tuba Dei, eine der größten historischen Glocken Polens. Für Kopernikus-Fans ist sie ein Pflichtbesuch.
Die Kathedrale steht wenige Gehminuten südöstlich des Altstädter Markts, an der Ecke ul. Żeglarska und ul. Świętego Jana, auf dem Weg hinunter zur Weichsel. Thorn erreichst du von Berlin mit dem Auto über rund 400 km, mit der Bahn meist mit Umstieg (etwa in Posen). Vom Bahnhof Toruń Miasto gehst du etwa eine Viertelstunde; vom Hauptbahnhof Toruń Główny am anderen Flussufer fahren Bus und Straßenbahn in die Altstadt.
Die Johanneskirche war die Pfarrkirche der Thorner Altstadt; die Pfarrei geht auf die Gründungsurkunde der Stadt von 1233 zurück. Der heutige gotische Bau entstand in Etappen: der Chor in den ersten Jahrzehnten des 14. Jahrhunderts, die drei Schiffe in derselben Phase, die Erhöhung des Mittelschiffs 1468–1473. Der erste Turm wurde 1402 vollendet und stürzte 1406 ein; der heutige entstand 1407–1433. Um 1500 wurden die Bauarbeiten eingestellt.
Die Kirche spiegelt die Konfessionsgeschichte Thorns wider: Mitte des 16. Jahrhunderts übernahmen kurzzeitig die Lutheraner, einige Jahre lang wurden Gottesdienste beider Konfessionen gefeiert. Vom späten 16. bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts betreuten die Jesuiten das Gotteshaus. 1935 erhielt es den Titel einer Basilica minor, 1992 wurde es mit der Gründung des Bistums Thorn zur Kathedrale.
Die meisten Besucher zieht es zur Kapelle mit dem gotischen Taufbecken, an dem Nikolaus Kopernikus 1473 getauft wurde. Rund hundert Jahre später kam ein Renaissance-Epitaph mit seinem Porträt hinzu, daneben steht eine Büste des Astronomen von 1766. Eine Zeichnung an der Wand dahinter markiert die Stelle, an der das Herz von König Johann I. Albrecht (Jan Olbracht) bestattet ist, der 1501 in Thorn starb.
Im Turm hängt die Tuba Dei („Posaune Gottes“), rund 7,2 Tonnen schwer und etwa 2,27 m im Durchmesser. Die Überlieferung datiert sie auf 1500, Schriftquellen sprechen eher für 1522. Bei ihrem Guss war sie die größte Glocke in diesem Teil Europas. Geläutet wird sie nur wenige Male im Jahr, denn ihr tiefer Ton belastet den Turm. Zur Weichsel hin zeigt eine Uhr mit nur einem Zeiger, dem Digitus Dei („Finger Gottes“), wohl seit etwa 1433 die Zeit.
Laut der Stadt Thorn führt ein Weg durch den Turm hinauf, wo du die Glocke aus der Nähe sehen, ihren Klöppel berühren und über die Altstadt blicken kannst. Aktuelle Öffnungszeiten und Preise für den Turm waren auf keiner offiziellen Seite bestätigt – frag am besten direkt in der Kirche.
Auf jeden Fall, besonders wenn dich Kopernikus oder gotische Kunst interessieren. Plane 30 bis 45 Minuten für die Kirche ein, mit Turm etwa eine Stunde. Es ist eine aktive Bischofskirche: Während der Messen ist die Besichtigung eingeschränkt, komm also am besten zwischen den Gottesdiensten und in angemessener Kleidung. Im Winter ist es drinnen kühl, eine warme Jacke schadet nicht. Der Turm ist nur über Treppen erreichbar und daher für Menschen mit eingeschränkter Mobilität nicht geeignet. Mit Kindern lohnt sich ein Blick auf die riesige Glocke – und die Geschichte vom Taufbecken des berühmtesten Thorners.
Die ul. Żeglarska hinauf erreichst du das Altstädtische Rathaus und das Kopernikus-Denkmal, hinunter zur Weichsel das Seglertor in der Stadtmauer und die Ruine der Ordensburg. Das Kopernikus-Haus liegt nur wenige Straßen entfernt.
Prüfe aktuelle Informationen vor dem Besuch.
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Geprüft: Oktober 2026