Seen & Gewässer
Kościelisko, Kleinpolen
Anders als die meisten Tatra-Seen liegt der Smreczyński Staw nicht in einem Felskar, sondern im Wald, auf 1226 m Höhe zwischen den Moränen zweier früherer Gletscher. Über den Fichten erheben sich Kamienista, Błyszcz und Bystrá, und ein kurzer schwarz markierter Weg führt von der Ornak-Hütte ans Ufer. Ein ruhiges Ziel am Ende einer Wanderung durch das Kościeliska-Tal und einer der wenigen Tatra-Seen, in denen Amphibien leben.
Der See ist 0,75 ha groß, im Mittel 1,8 m und maximal 5,3 m tief. Die Sichttiefe beträgt nur 1,5–2 m, denn im Wasser herrscht reiches Leben: Phytoplankton, die in Polen seltene Rotalge Batrachospermum sowie Berg- und Karpatenmolche und Grasfrösche. An den sumpfigen Ufern wächst unter anderem die Sumpfcalla, in den Karpaten eine Seltenheit. Der Tatra-Nationalpark weist darauf hin, dass der See allmählich verlandet: Am Grund sammelt sich organisches Material, und vom Ufer her breitet sich Torfmoor aus.
Der Name stammt von der früheren Alm Smreczyny. In der Nähe liegen zwei zuwachsende Lichtungen, Wyżnia und Niżnia Smreczyńska, und auf dem See rasten Zugvögel.
Die Goralen glaubten, der See habe keinen Grund. Eine Legende erzählt von einem Bauern, der einen Graben zog, um den See trockenzulegen und in eine Wiese zu verwandeln – bis eine Stimme aus dem Wasser ihn warnte, sie werde alle Dörfer bis zum Meer überfluten. Seit den 1830er-Jahren zog der See Künstler an: Walery Eljasz-Radzikowski, Wojciech Gerson und Leon Wyczółkowski malten ihn. Nicht alle waren begeistert – der Dichter Seweryn Goszczyński klagte 1832 über sumpfige Ufer und trübes Wasser, und der Naturforscher Kazimierz Wodzicki beschrieb es 1850 als braun und voller Gewürm. Stefan Żeromski verewigte den See in seinem Roman „Popioły“ („Asche“) als „den Wandelbaren“.
Der schwarze Weg beginnt an einer Abzweigung der Hauptstraße durch das Kościeliska-Tal, kurz unterhalb der PTTK-Hütte auf der Hala Ornak (ca. 1106 m). Er ist etwa 1,2 km lang und überwindet rund 120 Höhenmeter – laut Nationalpark dauert der Aufstieg etwa 20 Minuten, der Rückweg noch weniger. Von Kiry am Taleingang führt eine breite, befestigte Straße zur Hütte; der Park beschreibt die Route Kiry – Kraków-Schlucht – Ornak – Smreczyński Staw als kinderwagentauglich und anfängerfreundlich, insgesamt rund 14 km lang.
Für den ganzen Ausflug von Kiry zum See und zurück sollten Sie 5–6 Stunden mit Pause in der Hütte einplanen. Der Eintritt in den Tatra-Nationalpark ist kostenpflichtig; Tickets gibt es am Kassenhäuschen am Taleingang oder online. Der See liegt in einer streng geschützten Zone – bleiben Sie auf dem Weg, betreten Sie nicht die sumpfigen Ufer und füttern Sie keine Vögel. Am schönsten ist es morgens, wenn sich bei Windstille die Gipfel im Wasser spiegeln.
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