Kirchen & Klöster
Bardo, Niederschlesien
Auf dem Hochaltar der barocken Basilika in Bardo steht eine Figur, die man leicht übersieht: Sie ist nur 43 cm hoch. Es ist die romanische Thronende Madonna aus dem 12. Jahrhundert, die als älteste Holzskulptur Niederschlesiens gilt und seit dem Mittelalter Pilger anzieht. Die ehemalige Zisterzienserkirche Mariä Heimsuchung, erbaut 1686–1704 über der Glatzer Neiße, ist heute das erzbischöfliche Heiligtum der Muttergottes, Hüterin des Heiligen Glaubens.
Ab 1230 unterstand die Kirche in Bardo den Augustinern aus Kamieniec Ząbkowicki (Kamenz), 1251 traten an ihre Stelle Zisterzienser aus Lubiąż (Leubus). Die Marienverehrung entwickelte sich hier seit dem 13. Jahrhundert; in Kriegszeiten brachte man die Gnadenfigur nach Kłodzko und Kamenz in Sicherheit. Die heutige Kirche entstand unter Abt Augustin Nedeck nach Plänen von Michael Klein an der Stelle zweier älterer Kirchen, daneben wurden 1712–1716 die Klostergebäude errichtet. Die Zisterzienser blieben bis 1810.
1900 übernahmen deutsche Redemptoristen das Heiligtum und übergaben es 1945 ihren polnischen Mitbrüdern. Am 3. Juli 1966 krönte Erzbischof Bolesław Kominek die Figur im Rahmen der Feiern zum tausendjährigen Christentum in Polen. 2004 wurde die Kirche zum erzbischöflichen Heiligtum der Muttergottes, Hüterin des Heiligen Glaubens, 2008 erhielt sie den Titel einer Basilica minor.
Neben Werken Willmanns selbst besitzt die Kirche zwei Gemälde, die 2009 Bernhard Krause zugeschrieben wurden, dem „Kleinen Willmann“: die Vision der hl. Lutgard und die Vision des hl. Bernhard. Die barocken Seitenaltäre der Geburt Christi und des Heiligen Kreuzes von 1777 schuf L. Jaschke, das Gewölbe zeigen Malereien mit der Anbetung der Könige und dem Gebet des hl. Bernhard. Seit 2009 gehört die Basilika zur Michael-Willmann-Route der barocken Sakralkunst.
Planen Sie für die Basilika 45–60 Minuten ein; es ist ein aktiver Wallfahrtsort, besuchen Sie sie also außerhalb der Gottesdienste. Den schönsten Blick auf Kirche und Kloster haben Sie vom Ufer der Glatzer Neiße. Wenn Sie mehr Zeit haben, folgen Sie dem Weg von der Basilika zur Bergkapelle; unterwegs liegt die „Marienquelle“, deren Wasser Heilkraft zugeschrieben wird. Bardo ist zudem Ausgangspunkt für Schlauchbootfahrten auf der Glatzer Neiße.
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