Märkte & Altstädte
Bolesławiec, Niederschlesien
Im Trausaal des Rathauses von Bolesławiec (Bunzlau) wölbt sich über den Brautpaaren ein Gewölbe, das Wendel Roskopf dem königlichen Wladislaw-Saal auf der Prager Burg nachempfand. Das ist der beste Grund, auf dem Marktplatz nicht nur in die Keramik-Schaufenster, sondern auch ins Rathaus zu schauen. Der rechteckige Platz entstand an der Kreuzung alter Handelswege, darunter der Via Regia, und ist heute die gute Stube der „Keramikstadt“.
Die ersten sicheren Erwähnungen von Bolesławiec stammen aus der Zeit um 1194, das Magdeburger Stadtrecht erhielt der Ort zwischen 1226 und 1251. Die Lage an der Straße zwischen West- und Osteuropa sowie am Weg von Böhmen nach Norden bestimmte den Stadtgrundriss mit dem großen rechteckigen Markt. Das Rathaus entstand in der Achse der Königsstraße, ringsum wuchsen Häuser von Kaufleuten und Handwerkern. Das mittelalterliche Straßennetz ist erhalten, viele Häuser wurden jedoch nach dem Krieg neu aufgebaut.
Ein erster Ratssitz stand hier im 14. Jahrhundert, nach den Zerstörungen der Hussitenkriege entstand 1432 ein neuer Massivbau. Sein heutiges Gesicht verdankt er zwei Epochen. 1524–1535 leitete Wendel Roskopf aus Görlitz den Umbau — aus dieser Zeit stammen die Gewölbe und die Renaissance-Sgraffiti im unteren Teil des Turms. 1776–1781 erhielt das Gebäude sein barockes Kleid und Mansarddächer mit Gauben, 1893 wurden drei Renaissanceportale aus Bürgerhäusern am Markt in die Südfassade eingesetzt. Das 1945 beschädigte Rathaus wurde 1962–1966 instand gesetzt und 2012–2013 gründlich saniert. Die Wetterfahne auf dem Turm trägt die Jahreszahl 1945.
In den Napoleonischen Kriegen weilte Napoleon Bonaparte sechsmal in der Stadt, und am 28. April 1813 starb hier der russische Feldmarschall Michail Kutusow — sein Sterbehaus in der Kutuzowa-Straße gehört heute zum Keramikmuseum. Im Februar 1945 wurden bei den deutsch-sowjetischen Kämpfen über 1400 Gebäude, rund 60 Prozent der Bebauung, zerstört. Der Markt wurde nach dem Krieg wieder aufgebaut, einige historische Häuser in der Umgebung jedoch abgerissen.
Der Marktplatz ist rund um die Uhr zugänglich, für einen Rundgang mit Blick auf die Details des Rathauses genügt eine Stunde. In der Nähe lohnen die gotische Basilika Mariä Himmelfahrt und St. Nikolaus sowie Reste der Stadtmauer aus dem 14. Jahrhundert, die sich auf bis zu etwa 600 m entlang der Grünanlagen ziehen. Die meisten Besucher kommen zum Bunzlauer Keramikfest, das seit 1994 in der zweiten Augusthälfte stattfindet, seit 2007 mit der Parade der Tonmenschen — Unterkunft also früh buchen.
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