Märkte & Altstädte
Głogówek (Oberglogau), Oppeln
Vom Turm dieses Rathauses verkündete einst ein Türmer mit der Trompete die Stunden und wichtige Ereignisse, und 1625 durchschossen durchziehende böhmische Soldaten den Turmknopf an drei Stellen. Das Renaissance-Rathaus in Głogówek (Oberglogau) von 1608 steht mitten auf dem Ring einer der interessantesten Kleinstädte der Region Oppeln. Der achteckige Turm mit Galerie und der verzierte Giebel mit Voluten sind von Weitem zu sehen, an den Ecken stehen barocke Heiligenfiguren.
Ein erstes Rathaus, vor allem für den Handel, stand hier schon Mitte des 14. Jahrhunderts; seine gotischen Keller sind erhalten. Der heutige Bau entstand 1608, 2008 feierte die Stadt sein 400-jähriges Bestehen. 1659–1660 wurde der von schwedischen Truppen beschädigte Turm repariert. 1774 erhielt die Fassade Malereien und Stuck, und an den Südecken wurden Steinfiguren des heiligen Florian und des heiligen Johannes Nepomuk von Johann Schubert aufgestellt. 1880 wurde das Rathaus im Stil des Historismus restauriert. 1945 brannte es teilweise aus und wurde 1955–1957 wiederaufgebaut. Heute sitzt hier die Stadtverwaltung.
Im Turmknopf wurden Dokumente aufbewahrt. Als man ihn 1625 nach dem Beschuss abnahm, fand man darin eine von Feuchtigkeit zerstörte Urkunde, ein goldenes Kreuz und ein Agnus Dei; neue Dokumente kamen hinein, 1653 wurde der Knopf neu vergoldet. 1669 hängte man eine Feuerglocke auf, gegossen vom Stadtgießer. Bis Juli 1836 hielten die Protestanten von Oberglogau im zweiten Stock ihre Gottesdienste ab. Im gewölbten Sitzungssaal befindet sich ein Zyklus von sieben Fresken aus dem Jahr 1942 zur Stadtgeschichte, der Saal ist jedoch nicht für Besucher geöffnet.
Das Rathaus können Sie jederzeit kostenlos vom Ring aus betrachten; für Fotos und einen Rundgang reichen 15–20 Minuten. Es ist ein aktives Amtsgebäude (Rynek 1), Innenräume und Turm sind nicht zugänglich. Das beste Foto vom Südgiebel mit den Figuren gelingt von der Südseite des Rings. Głogówek liegt etwa 50 km südlich von Opole, wenige Kilometer von der tschechischen Grenze; am bequemsten kommen Sie mit dem Auto. Wenige Gehminuten vom Ring steht das Schloss der Grafen Oppersdorff, in dem Ludwig van Beethoven 1806 zu Gast war; sehenswert sind auch die Kollegiatkirche St. Bartholomäus und die Franziskanerkirche mit dem Loreto-Häuschen. Schloss Moschen (Moszna) liegt rund 15 km entfernt.
Eintritt frei
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