Kirchen & Klöster
Głogówek (Oberglogau), Oppeln
Die Stiftskirche St. Bartholomäus in Oberglogau (Głogówek) gilt als „Perle des Oppelner Landes“. Hinter gotischen Backsteinmauern und zwei schlanken Türmen verbirgt sich eine der prächtigsten barock-rokokohaften Ausstattungen Oberschlesiens, geschaffen vom mährischen Maler Franz Anton Sebastini. Für Reisende aus Deutschland ist der Ort doppelt interessant: Die Stadt war jahrhundertelang Sitz der Grafen von Oppersdorff, bei denen 1806 auch Beethoven zu Gast war.
Oberglogau liegt in der Woiwodschaft Oppeln, rund 36 km Luftlinie südlich von Oppeln (Opole) und etwa 10 km von der tschechischen Grenze. Von Dresden sind es rund 300 km Luftlinie, über Breslau (Wrocław) erreichst du die Stadt bequem mit dem Auto. Die Bahnlinie 137 verbindet Oberglogau u. a. mit Kattowitz und Neisse (Nysa). Die Kirche steht in der ul. Kościelna, wenige Schritte vom Ring.
Eine Pfarrei ist ab dem 10. Juni 1284 belegt. Laut Visitationsbericht von 1680 stiftete Herzog Friedrich 1350 den heutigen Bau; 1379 gründete Herzog Heinrich von Falkenberg (Niemodlin) hier ein Kollegiatstift, das bis zur Säkularisation 1810 bestand. Die Kirche erlebte die Folgen der Hussitenkriege, eine protestantische Phase im 16. Jahrhundert, einen Brand 1582 und die Schweden 1643.
Entscheidend war der große Stadtbrand von 1765. In den Jahren 1776–1781 wurde das Innere im Stil des Rokoko neu gestaltet: Sebastini – eigentlich Šebesta, ein Mährer mit italianisiertem Künstlernamen – malte die Fresken, Johann Josef Schubert schuf Skulpturen und Stuck. 1779 erhielten die Türme ihre heutigen Hauben; die 1945 zerstörte Südturmhaube wurde 1958 originalgetreu rekonstruiert.
Feste Öffnungszeiten für Besichtigungen gibt es nicht; am sichersten kommst du rund um die Gottesdienste hinein. Laut Pfarrei (Stand: Oktober 2026) finden werktags Messen um 6:30 und 18:30 Uhr statt, sonntags um 7:00, 8:30 (auf Deutsch), 10:00, 11:30 und 16:00 Uhr. Die deutschsprachige Sonntagsmesse erinnert daran, dass im Oppelner Land bis heute eine deutsche Minderheit lebt. Plane für Kirche und Kapelle 30–45 Minuten ein und halte dich während der Liturgie zurück; fotografieren solltest du nur außerhalb der Gottesdienste. Stadtführungen mit Besuch der Sehenswürdigkeiten bietet das Regionalmuseum an (1,5–2 Stunden, Anmeldung unter Tel. +48 77 43 73 500). Eintrittspreise sind nicht veröffentlicht.
Für Liebhaber barocker Kunst unbedingt – und auch als Abstecher auf einer Reise zwischen Breslau und Krakau ist Oberglogau eine angenehme Überraschung abseits der großen Touristenströme. Verbinde die Kirche mit dem Oppersdorff-Schloss – Beethoven widmete Graf Franz von Oppersdorff seine 4. Sinfonie –, dem Gefängnisturm mit dem Regionalmuseum und der Franziskanerkirche mit dem Loretohaus.
Prüfe aktuelle Informationen vor dem Besuch.
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Geprüft: Oktober 2026