Natur
Jałówka, Podlachien
Ein gutes Dutzend Kilometer nördlich von Białystok beginnt ein Wald, den Naturkundler mit der Taiga vergleichen. Die Knyszyner Heide (Puszcza Knyszyńska) umfasst rund 1050 km² Fichten- und Kiefernwälder, Quellgebiete und Flusstäler und ist nach dem Białowieża-Urwald das zweitgrößte Waldgebiet der Podlachischen Ebene. Hierher kommt man wegen der Stille, der Radwege, einer Paddeltour auf der Supraśl und der Spuren von Menschen, die hier Feuerstein abbauten, lange bevor es Polen gab.
Nach der geobotanischen Gliederung von Władysław Szafer gehört der Wald zur Region Białowieża-Knyszyn und ist das einzige Gebiet Mitteleuropas, das der südwestlichen Taiga so nahekommt — in Waldstruktur, Pflanzen- und Tierwelt. Es dominieren Kiefer und Fichte, daneben wachsen Birke, Erle und Eiche. Moränenhügel, sumpfige Senken und Bachtäler bilden ein Mosaik von Kleinklimaten, in dem boreale Arten gut gedeihen. Die Waldfläche wächst weiter, weil ehemalige Äcker aufgeforstet werden, vor allem im Osten.
Rund 290 Bäume stehen hier als Naturdenkmäler unter Schutz. Der älteste ist eine Stieleiche bei Dworzysko, deren Alter auf etwa 500 Jahre geschätzt wird, die stärkste Linde hat über 6,5 m Stammumfang. Ein Symbol der Gegend sind die hohen „heiligen“ Kiefern — seit Generationen befestigen Einheimische Kreuze und kleine Bildstöcke an ihnen. Wisente haben hier seit 1974 ein Rückzugsgebiet, außerdem leben im Wald Wölfe, Luchse, Seeadler und Schwarzstörche. Insektenforscher zählten rund 2000 Käferarten, darunter seltene Totholzbewohner.
Die ältesten Spuren des Menschen sind etwa 10.000 Jahre alt — die ersten Jäger folgten hierher den Rentierherden. Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg entdeckte man in Konne das Grab eines mesolithischen Jägers: Der Tote war sitzend und gefesselt bestattet und mit rotem Ocker bestreut worden, was in Polen sehr selten ist. In der Bronzezeit wurde bei dem Dorf Rybniki Feuerstein abgebaut, Trichter verfüllter Schächte und Abraumhalden sind bis heute erkennbar. Am einfachsten sehen Sie sie im Naturreservat Krzemianka, wo ein Holzsteg über sprudelnde Quellen und durch Bruchwald führt.
Fast 95 % des Landschaftsschutzparks, der das Herz des Waldes schützt, liegen im Einzugsgebiet eines einzigen Flusses — der Supraśl. Zu ihren Zuflüssen gehören Sokołda und Czarna, und manche Bäche haben ein Gefälle von über 3 Promille, wie man es eher von Flüssen im Vorgebirge kennt. Supraśl, Sokołda, Słoja und Płoska sind befahrbar, sodass Sie den Wald auch ohne große Erfahrung vom Kajak aus erkunden können. Östlich des Waldes fließen die Flüsse bereits zur Memel, ein Hinweis darauf, dass dies echtes Grenzland ist.
Der Wald hat auch eine weniger offizielle Tradition: Seit der Zeit der russischen Herrschaft wurde in den Dörfern Selbstgebrannter hergestellt. Volkskundler unterscheiden sogar mehrere „Schulen“ — Wald, Feld, Stadtrand und Sumpf —, und eine lokale Spezialität ist Bukwicówka, ein mit Heilziest aromatisierter Schnaps. Heute ist das eher Folklore als Touristenattraktion, erklärt aber viel über den Charakter der alten Walddörfer.
Der bequemste Ausgangspunkt ist Supraśl — ein Kurort mit orthodoxem Kloster, Ikonenmuseum und der Informationsstelle des Parks in der ul. Chodakowskiego 6. Planen Sie für den ersten Besuch einen ganzen Tag ein: morgens der Steg in Krzemianka, nachmittags eine Radtour oder eine Kajakfahrt auf der Supraśl. Im Frühling blühen die Moore, im Herbst locken Pilze und Laubfarben. Nehmen Sie Zecken- und Mückenschutz mit und bleiben Sie in den Reservaten auf den markierten Wegen.
Eintritt frei
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