Kirchen & Klöster
Supraśl, Podlachien
Hinter den weißen Mauern am Fluss Supraśl liegt eines der wichtigsten Zentren der Orthodoxie in Polen – mit einer Geschichte, die mehrmals die Richtung wechselte. Das Mariä-Verkündigungs-Kloster gründete der litauische Marschall Aleksander Chodkiewicz um die Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert. Die Hauptkirche sprengten abziehende deutsche Truppen 1944, ihr Wiederaufbau dauerte 37 Jahre – erst 2021 wurde sie neu geweiht.
Die Mönche lebten zunächst im nahen Gródek und zogen im ersten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts auf die Lichtung Suchy Hrud am Fluss Supraśl. Ein Tomos des Patriarchen von Konstantinopel bestätigte die Gründung 1505, König Alexander der Jagiellone bekräftigte die Stiftungsurkunde. Im 16. Jahrhundert pflegte die Lawra enge Kontakte zu Klöstern in Kiew, Serbien, Bulgarien und Griechenland, serbische Ikonenmaler schmückten die Kirche mit Fresken. Die Bibliothek umfasste 1557 etwa 200 Bücher, 1645 bereits 587 – eine der größten Klosterbibliotheken des Landes.
Anfang des 17. Jahrhunderts ging das Kloster an die unierte (griechisch-katholische) Kirche über, ab 1635 führten es Basilianermönche. Sie bauten die Anlage aus und gründeten eine Druckerei, die ab 1693 rund 500 Titel herausbrachte – zu 71 Prozent auf Polnisch. 1824 fiel das Kloster an die Orthodoxen zurück. 1915 flohen die Mönche ins Innere Russlands und nahmen die wundertätige Ikone der Gottesmutter von Supraśl mit. Nach dem Zweiten Weltkrieg zog eine Landwirtschaftsschule in die Gebäude. Seit den 1980er-Jahren erhielt die orthodoxe Kirche die Anlage schrittweise zurück, 2022 lebten hier acht Mönche.
Ein großer Teil der Ikonen des Podlachischen Museums wurde vom Zoll bei Schmuggelversuchen über die polnische Ostgrenze beschlagnahmt und dem Museum nach Abschluss der Gerichtsverfahren übergeben. In der Klosterbibliothek entdeckte der Priester Michał Bobrowski 1823 den Codex Suprasliensis, eine altkirchenslawische Handschrift aus dem 11. Jahrhundert. Heute ist er auf Warschau, Ljubljana und Sankt Petersburg verteilt und steht seit 2007 im UNESCO-Register „Gedächtnis der Welt“. 2020 besuchte mit Andrzej Duda erstmals ein polnischer Präsident die Lawra.
Das Kloster liegt in der ul. Klasztorna 1 im Zentrum von Supraśl, nur eine kurze Fahrt nordöstlich von Białystok. Es ist ein lebendiges Kloster und zugleich Pfarrkirche: Kleiden Sie sich dezent und besichtigen Sie die Kirche nicht während der Gottesdienste. Für das Ikonenmuseum sollten Sie 1–1,5 Stunden einplanen, mit Kirche und Klosterhof etwa zwei. Öffnungszeiten und Eintrittspreise finden Sie vorab auf der Website des Podlachischen Museums. Verbinden Sie den Besuch mit einem Spaziergang am Fluss und durch die Holzhäuser des Städtchens am Rand der Knyszyner Heide.
Prüfe aktuelle Informationen vor dem Besuch.
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