Landschaftsparks
Posen, Großpolen
Jeden Tag um Punkt zwölf stößt im Park Rataje eine Schmalspurdampflok Rauchwolken aus und lässt ihre Pfeife ertönen – fahren wird sie trotzdem nicht. Das ist der Spezialeffekt des Freilichtmuseums der Kreisbahn Środa, das im Herzen des zweitgrößten Parks von Poznań (Posen) steht. Rund um die Lokomotiven gibt es einen Sinnesgarten, Teiche, einen Spielplatz mit großer Spielzeugbahn, Fitnessgeräte und eine Parkour-Strecke.
Der Park Rataje umfasst mehr als 17 ha zwischen den Wohnsiedlungen Jagiellońskie, Powstań Narodowych, Rzeczypospolitej, Bohaterów II Wojny Światowej und Polan, an der Grenze der Stadtteile Rataje und Żegrze. Er entstand von Grund auf auf Brachland und einem ehemaligen Fabrikgelände, das saniert werden musste. Fertiggestellt wurde er im Dezember 2018; die Kosten lagen bei 21 Mio. PLN, davon knapp 12 Mio. PLN aus EU-Mitteln. Er ist nach der Zitadelle der zweitgrößte Park der Stadt und der größte in Polen nach 1989 angelegte Park.
Im zentralen Teil des Parks, nahe der Kirche Mariä Heimsuchung, stehen zwei Dampfloks: die normalspurige Tkt48-130 mit einem Speisewagen der früheren Bahngastronomie WARS und die schmalspurige „Baziel“, die auf der Bahn nach Środa im Einsatz war. Dazu kommen ein Gleisstück, Schranken, ein Formsignal, ein Wasserkran, ein Prellbock und eine historische Bahnhofsuhr; die überdachten Bänke sind wie Bahnsteige gestaltet.
Das Museum erinnert an eine Bahn, deren Bau 1898 mit einem 11 km langen normalspurigen Abschnitt von Poznań nach Kobylepole begann. Fünf Jahre später war die schmalspurige Hauptstrecke von Kobylepole über Tulce nach Środa Wielkopolska und Zaniemyśl fertig, 59 km lang; nach 1927 umfasste das gesamte Netz über 115 km. Befördert wurden vor allem Zuckerrüben von den Gütern entlang der Strecke, aber auch Fahrgäste. 1949 übernahm die Polnische Staatsbahn die Bahn, später durchschnitt der Bau des Malta-Sees ihre alte Trasse.
Der Park ist in 9 Zonen gegliedert, in seiner Mitte liegt ein Platz mit Springbrunnen. Der Sinnesgarten besteht aus vier Teilen – rauschende Gräser (Hören), Obststräucher (Schmecken), Kräuter (Riechen) sowie Stauden und Bodendecker (Sehen) –, daneben verläuft ein Tastpfad. Weiter gibt es Hängematten und Liegestühle, Tische für Schach und „Mensch ärgere dich nicht“, einen interaktiven Spielplatz mit großer bunter Spielzeugbahn, eine Picknickwiese, einen Outdoor-Fitnessbereich, Street-Workout, eine Parkour-Strecke und einen Gelände-Radpark. Die Wege haben eine wasserdurchlässige Decke, die Teiche sammeln Regenwasser – in ihnen überwintert die Wechselkröte.
Planen Sie Ihren Besuch so, dass Sie um 12:00 Uhr am Museum sind – dann raucht und pfeift die Schmalspurlok; im Sommer wiederholt sich das um 14:00 und 16:00 Uhr. Die Lokomotiven sind reine Ausstellungsstücke, Fahrten gibt es nicht. Für Museum und Sinnesgarten reicht etwa eine Stunde, mit Spielplatz mehr. Wer mit Kindern wirklich Zug fahren möchte: Am Malta-See verkehrt in der Saison die Parkbahn Maltanka.
Eintritt frei
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