Paläste
Zamość, Lublin
Mit diesem Gebäude begann Zamość: Der Palast des Kanzlers und Großhetmans Jan Zamoyski war der erste Bau nach der Gründung der Stadt. Nach jahrhundertelangen Umbauten wirkt er heute bescheiden und wartet auf seine Sanierung, doch zusammen mit dem Reiterstandbild des Hetmans schließt er die Westseite der Altstadt ab – und seine Geschichte ist spannender, als die Fassade vermuten lässt.
Der Palast entstand 1579–1586 nach Plänen von Bernardo Morando, dem italienischen Architekten, der die ganze „Idealstadt“ Zamość entwarf. Damals war er durch eigene Mauern von der Stadt getrennt, hatte einen rechteckigen Grundriss von etwa 60 m Länge, zwei Geschosse, einen Turm mit Terrasse und eine zweiläufige Treppe zum Großen Markt. 1658 brannte er ab; nach 1660 baute ihn der dritte Majoratsherr Jan „Sobiepan“ Zamoyski im Barockstil wieder auf. Bald darauf fand hier die polnische Erstaufführung von Corneilles „Le Cid“ in der Übersetzung von Andrzej Morsztyn statt.
1689–1690 erweiterte Jan Michał Link die Residenz, 1747–1751 bauten Jan Andrzej Bem und Jerzy de Kawe sie spätbarock um: Der Turm wurde niedriger, Seitenflügel und ein Ehrenhof mit eisernem Gittertor kamen hinzu. Nach 1803 erhielt der Palast ein klassizistisches Gesicht. Die Wende kam 1821, als die Zamoyskis ihn an den Staat verkauften; 1831 wurde er zum Militärlazarett der Festung umgebaut und verlor dabei seinen Schmuck. Im Nordflügel arbeitete in der Zwischenkriegszeit eine Druckerei – nach 1945 war sie die einzige unzerstörte Druckerei Polens östlich der Weichsel, hier entstanden die ersten Amtsblätter und Plakate. Von 1918 (laut der Agentur PAP ab 1922) bis 2017 waren im Palast Gerichte untergebracht.
Im April 2026, zum 446. Jahrestag der Stadtgründung, fand in Zamość eine Konferenz über die Zukunft des Palastes statt. Kulturministerin Marta Cienkowska sagte Unterstützung zu, auch finanziell, und Stadtpräsident Rafał Zwolak stellte unter anderem die Idee eines Kultur- und Wissenschaftszentrums für Kinder und Jugendliche vor; die künftige Nutzung soll ein Expertenteam erarbeiten. Zunächst müssen die bauhistorischen und archäologischen Untersuchungen ergänzt werden. Das Sanierungsprojekt selbst wurde auf 2–3 Mio. PLN geschätzt, ein Zeitplan steht noch nicht fest.
Der Palast liegt an der ul. Akademicka im Westen der Altstadt – vom Großen Markt sind es über die Grodzka-Straße nur wenige Gehminuten. Für die Außenbesichtigung genügen 10–15 Minuten; planen Sie ihn als Station eines Spaziergangs ein, durch die Altstadt, etwa zwischen dem Großen Markt und dem Westteil der früheren Festung. Das beste Foto von Palast und Denkmal gelingt vom Gehweg der ul. Akademicka, wo das Denkmal näher an der Straße steht.
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