Paläste
Chocianów, Niederschlesien
Über dem barocken Baukörper des Schlosses in Chocianów (Kotzenau) erhebt sich ein massiver viereckiger Turm mit Rokokohaube und Laterne. Er ist der einzige erhaltene Teil der gotischen Burg der Herzöge von Schweidnitz-Jauer, um die das Geschlecht von Redern im 18. Jahrhundert seine Residenz baute. Heute ist das Schloss in Privatbesitz und wartet seit Jahrzehnten auf eine vollständige Sanierung, doch seine Silhouette prägt das Städtchen im Kreis Polkowice bis heute.
Mit dem Bau der gotischen Burg wurde im 13. Jahrhundert im Auftrag von Bolko I. dem Strengen, Herzog von Schweidnitz-Jauer, begonnen. Die Burg wurde Sitz der Herzöge von Liegnitz und 1444 als Lehen an das deutsche Geschlecht der Dornheim verkauft. Danach wechselten die Besitzer häufig; hier lebten unter anderem die Familien Nostitz, Stosch und Dohna.
Der Wendepunkt kam 1728–1732, als Melchior Gotlob von Redern die Burg zu einer Barockresidenz umbauen ließ. Entwurf und Bauleitung lagen beim Architekten Martin Frantz aus Reval, dem heutigen Tallinn. Zugleich entstanden ein Schlosspark und zwei Nebenflügel. Ab 1734 gehörte das Gut dem kinderlosen Carl Albrecht von Redern (gest. 1766), sein Erbe wurde Wilhelm Christoph Gottlob zu Dohna-Schlodien.
Das Schloss hat zwei Geschosse über einem hohen Erdgeschoss, einen rechteckigen Grundriss und ein Mansardwalmdach mit Gauben. Die Fassade wird von einem kräftig vorspringenden, zweigeschossigen Risalit mit steinerner Balustrade bestimmt. Das Eingangsportal hat vier korinthische Säulen, paarweise zu beiden Seiten, die einen Balkon tragen; darüber saß einst eine Kartusche mit dem Wappen der Redern. Ältester Teil ist der mittelalterliche Turm mit Rokokohaube und Laterne, der sich deutlich vom barocken Bau abhebt.
Die Burg wurde im 19. Jahrhundert und erneut 1937–1939 restauriert. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs brannte das Schloss teilweise aus und verfiel zusehends; 1954 wurden lediglich Sicherungsarbeiten durchgeführt. Seit 1997 hat es einen privaten Eigentümer. Laut fotopolska.eu wurden unter anderem die Dachziegel und ein Teil der Fenster erneuert, der Brunnen vor dem Haupteingang restauriert und ein Teil der Keller für Veranstaltungen hergerichtet. In das Denkmalregister wurde das Schloss 1950 und 1956 eingetragen.
Das Schloss ist Privatgelände – betrachten Sie es am besten von außen, von der Parkseite. Laut fotopolska.eu waren Keller und Turm nur an Tagen der offenen Tür zugänglich, diese Angabe ist jedoch einige Jahre alt; fragen Sie vorab im Rathaus nach den aktuellen Regeln. Für das Schloss selbst genügt eine halbe Stunde. Lohnend ist ein Abstecher zum neugotischen Turm auf dem Friederikenberg (Wzgórze Fryderyki, 165 m), im Wald etwa 5 km südwestlich des Schlosses; er wurde im 19. Jahrhundert zu Ehren von Friederike von Reichenbach-Goschütz errichtet, der Mutter von Wilhelm August zu Dohna-Schlodien.
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