Paläste
Piechowice, Niederschlesien
Dieses Barockschloss an der Kamnitz (Kamienna) war Residenz und Leinenbleiche zugleich: Im Erdgeschoss weichte man das Tuch Hirschberger Kaufleute in Bottichen ein, auf den Wiesen trocknete es in der Sonne. Laut den Eigentümern war König Friedrich II. hier zu Gast, in der Zeit der Familie Hess auch der Dichter Klopstock und John Quincy Adams, der spätere US-Präsident. Seit 2012 ist Wernersdorf ein Fünf-Sterne-Hotel, die Innenräume lassen sich aber mit Führung besichtigen.
Seit dem späten Mittelalter lebte das Hirschberger Tal vom Leinen, vor allem vom feinen Schleier. Reiche Kaufleute, die „Schleierherren“, bildeten eine Aristokratie, die dem Geburtsadel kaum nachstand. Zu diesem Kreis gehörte Johann Martin Gottfried (1685–1737), später Bürgermeister von Hirschberg und Schwager des reichsten Kaufmanns der Stadt, Christian Mentzel. 1725 baute er einen früheren Besitz der Schaffgotsch zum Barockschloss um.
Gottfrieds Witwe heiratete 1741 erneut, und das Gut ging an Georg Friedrich Smith. Ab 1771 gehörte es Heinrich Hess (1745–1802), Kaufmann und Direktor der Hirschberger Zuckerfabrik – damals setzte sich der Name „Hess'sche Bleiche“ durch. Das Wasser zum Bleichen kam aus der Kamnitz, die Wasserrechte bestätigte Friedrich II. 1777 per Urkunde. 1856 wurde die Bleiche umgewandelt, die Familie Hess besaß Wernersdorf bis 1945.
Nach dem Krieg nutzten verschiedene Einrichtungen das Gebäude, unter anderem als Kinderheim. 2004 ging es an Nachfahren der früheren Eigentümer über – laut Hotel ist das Schloss seit 13 Generationen in der Hand einer Familie. Nach der Sanierung wurde es am 1. April 2012 feierlich eröffnet. In das Denkmalregister wurde es bereits am 1. September 1959 eingetragen.
Das Hotel nennt Besuche Friedrichs II. in den Jahren 1759, 1777 und 1785, manche Darstellungen sprechen von zwei Besuchen des Königs. Zur Zeit von Heinrich und Erdmuthe Hess kamen der Dichter Friedrich Gottlieb Klopstock, der Riesengebirgsmaler Sebastian Carl Christoph Reinhardt und John Quincy Adams. Als Letzte der Familie lebte hier Margarethe Drewes, geborene Hess, mit ihrem Mann, einem Pastor, und sieben Kindern.
Die Führung dauert etwa 40 Minuten und ist nach vorheriger Reservierung an der Rezeption möglich, auf Polnisch, Englisch oder Deutsch. Dazu gehören ein Film, der Barocksaal, das Kaufmannshaus, der Blaue Turm, einige Zimmer (wenn frei) und der Garten. Sie kostet 25 PLN, mit Kaffee und Kuchen im Schlossrestaurant 65 PLN; Hotelgäste nehmen kostenlos teil (Stand Oktober 2026). Das Schloss liegt in der ul. Zamkowa 3 in Piechowice (Petersdorf) zwischen Jelenia Góra und Szklarska Poręba und gehört zum Tal der Schlösser und Gärten – ideal, um weitere Residenzen der Gegend anzuschließen.
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