Paläste
Sobótka, Niederschlesien
Das neorenaissancezeitliche „Schloss“ in Sobótka-Górka (deutsch Gorkau) am Fuß des Zobten (Ślęża) birgt etwas viel Älteres als seine Türmchen aus dem 19. Jahrhundert: die mittelalterliche Kapelle und Kirche eines ehemaligen Klosters der Augustiner-Chorherren. Es ist einer der ältesten kirchlichen Orte Niederschlesiens, verbunden mit dem Magnaten Peter Wlast und mit der Entführung eines Breslauer Bischofs im 13. Jahrhundert. Das Schloss liegt im Westen von Sobótka am Rand des Landschaftsparks Zobten.
Die Augustiner-Chorherren, die Peter Wlast (Piotr Włostowic) im 12. Jahrhundert nach Zobten holte, gründeten hier ihre erste Niederlassung; schon 1149 zog der Hauptkonvent nach Breslau auf die Sandinsel, in Gorkau blieb eine Propstei. Das Dorf erscheint in Urkunden Herzog Heinrichs des Bärtigen von 1204 und 1208, und 1250 erwähnt Papst Innozenz IV. die Weihe einer neuen Kirche. 1256 überfiel Herzog Boleslaw der Kahle (genannt Rogatka) Gorkau und nahm den Breslauer Bischof Thomas I. gefangen.
Die Hussiten zerstörten die Propstei 1428 und 1435. 1524–1553 wurde an die Kapelle ein Wohntrakt mit Turm angebaut, 1589 die Kirche neu geweiht. Nach weiteren Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg und der Säkularisation in Preußen 1810 kaufte Ernst von Lüttwitz 1812 die Gebäude (ohne die Kirche). 1885 erwarb Eugen von Kulmiz das Gut und ließ es 1886–1891 nach Plänen des Breslauer Architekten Wilhelm Rhenius zu einem Neorenaissance-Schloss umbauen.
1320 sperrte Abt Heinrich Calvus seinen Vorgänger, Abt Philipp, zusammen mit einem Kaplan in der Kirche ein – ruhige Zeiten kannte Gorkau selten. Bei archäologischen Arbeiten seit 2002 fand man nahe der mittelalterlichen Kapelle Fundamente eines Turms und von Mauern, was auf eine mittelalterliche Burg an dieser Stelle hindeuten könnte. Im Gewölbe der Kirche wurden Malereien entdeckt, und im Inneren befindet sich das Epitaph des Propstes Valentin Aeschius, der das Kloster im 16. Jahrhundert erweiterte. 1932 zog die Pfarrei in eine neue Kirche um, die alte diente fortan als Lager.
Um die Jahrtausendwende befanden sich hier ein Hotel und ein Restaurant, seit 2013 wurde renoviert. Ob die Innenräume derzeit zugänglich sind, konnten wir nicht bestätigen – stellen Sie sich darauf ein, das Gebäude von außen, von der öffentlichen Straße aus, zu betrachten. Dafür genügen 20–30 Minuten. Gut kombinierbar mit einer Wanderung auf den Zobten und dem Zobten-Museum (Muzeum Ślężańskie) im Zentrum von Sobótka, untergebracht im ehemaligen Spital der Augustiner von 1568.
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