Technikdenkmäler
Wilkowyja, Großpolen
Die Mühle an der Lutynia (Młyn nad Lutynią) in Wilkowyja ist eine restaurierte hölzerne Wassermühle am Rand von Jarotschin (Jarocin) in Großpolen. In Polen kennt man sie aus der gleichnamigen Erzählung von Jarosław Iwaszkiewicz aus dem Jahr 1946. Seit Oktober 2024 beherbergt sie ein Café mit Terrasse über dem Fluss, eine kleine historische Ausstellung und Räume für Konzerte und Workshops – ein schönes Ziel für eine Radtour oder einen Zwischenstopp auf der Reise durch Westpolen.
Wilkowyja liegt direkt bei Jarotschin, rund 70 km südöstlich von Posen (Poznań). Von Berlin aus erreichst du Posen mit dem direkten Zug Berlin–Warschau oder über die Autobahn A2; von dort sind es noch gut eine Stunde mit dem Auto. Radwege führen aus Jarotschin und den Nachbardörfern zur Mühle, und etwa 200 m entfernt gibt es einen kostenlosen Parkplatz, von dem ein Waldweg zur Mühle führt.
Die Adresse lautet ul. Lutyńska in Wilkowyja – die Gemeinde nennt die Hausnummer 5, das Café selbst die Nummer 8.
Die Mühle ist bereits auf Karten Südpreußens aus den Jahren 1793–1803 verzeichnet – damals gehörte die Gegend nach den Teilungen Polens zu Preußen. Der heutige Holzbau stammt wahrscheinlich aus dem späten 19. Jahrhundert. Im 19. Jahrhundert gehörte die Mühle der Familie Rybicki, später dem Grafen Günther von Schweinichen, der eine moderne Turbine aus einer Fabrik in Elbing (Elbląg) einbauen ließ. Die letzten Besitzer vor dem Krieg waren Józefa und Józef Szmytkowski. 1940, während der deutschen Besatzung, wurde das Wehr am Fluss zerstört – ob durch Eisgang oder durch Fehler der deutschen Verwalter, darüber sind sich die Quellen nicht einig. Damit endete der Mühlenbetrieb praktisch.
Im Mai 1945 verbrachte der Schriftsteller Jarosław Iwaszkiewicz drei Tage in Wilkowyja. Was er hier hörte, verarbeitete er frei in der Erzählung „Die Mühle an der Lutynia“ (1946), die in der Besatzungszeit spielt. Die Einheimischen nahmen den Text eher kühl auf, denn die geschilderten Ereignisse haben so nie stattgefunden – bekannt gemacht hat die Erzählung die Mühle trotzdem. Es ist eine von drei „Mühlen“-Erzählungen des Autors, neben „Die Mühle an der Utrata“ (1936) und „Die Mühle an der Kamionna“ (1950), die zusammen die Vorlage für ein filmisches Triptychon lieferten.
2020 kaufte die Gemeinde Jarotschin die Mühle von privaten Eigentümern. Die Sanierung kostete rund 2,8 Mio. PLN, über 1 Mio. PLN kam aus dem Wettbewerb „Nasz Zabytek“ der Stiftung Most the Most. Wiedereröffnet wurde die Mühle am 16. Oktober 2024, symbolisch am Welttag des Brotes.
Das erwartet dich:
Öffnungszeiten (Stand: Oktober 2026): Das Café ist Dienstag bis Sonntag 12–20 Uhr geöffnet, montags geschlossen (Tel. +48 735 929 241). Bei Veranstaltungen können sich die Zeiten verschieben – schau vor einer längeren Anfahrt auf die Social-Media-Seite der Mühle. Der Eingang wurde bei der Sanierung barrierefrei gestaltet, Toiletten sind vorhanden. Für die Besichtigung reichen 15 Minuten, mit Kaffee und Spaziergang am Fluss eher ein bis zwei Stunden. Bezahlt wird in Złoty (PLN).
Wenn du durch Großpolen fährst oder literarische Orte magst: ja. Die Mühle ist ruhig, liebevoll restauriert und bei ausländischen Besuchern noch kaum bekannt. Ein ganzer Tag ist sie nicht, aber sie passt perfekt zu einer Radtour durch das Lutynia-Tal oder einem Abstecher nach Jarotschin.
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Geprüft: Oktober 2026