Historische Orte
Jedwabne, Podlachien
Am Rand von Jedwabne, an der ul. Krasickiego, markieren Steinblöcke ein Rechteck im Gras. Es ist der Umriss der Scheune, in der am 10. Juli 1941 die jüdischen Bewohner des Städtchens und der Umgebung bei lebendigem Leib verbrannt wurden. Das Denkmal von 2001 und der benachbarte jüdische Friedhof bilden eine der wichtigsten Holocaust-Gedenkstätten in Polen – und einen Ort, der die polnische Debatte über die eigene Vergangenheit verändert hat.
Vor dem Krieg stellten Juden einen großen Teil der Einwohner von Jedwabne; im 18. und 19. Jahrhundert waren sie deutlich in der Mehrheit. Nach dem Einmarsch der Deutschen im Juni 1941 trieben am 10. Juli polnische Einwohner der Stadt und der umliegenden Dörfer ihre jüdischen Nachbarn auf dem Marktplatz zusammen und misshandelten sie. Eine Gruppe von Männern wurde gezwungen, ein Lenin-Denkmal zu zerschlagen und wegzutragen, und dann ermordet. Am Nachmittag wurden die übrigen – Männer, Frauen und Kinder – in eine hölzerne Scheune vor der Stadt getrieben, die verschlossen, mit Petroleum übergossen und angezündet wurde.
Die Ermittlungen des polnischen Instituts für Nationales Gedenken (IPN) von 2000 bis 2003 ergaben, dass mindestens etwa 40 polnische Einwohner von Jedwabne und Umgebung die unmittelbaren Täter waren – auf deutsche Anregung und in Anwesenheit deutscher Funktionäre in der Stadt. Die Opferzahl wird unterschiedlich geschätzt: Nach der Exhumierung 2001 erklärte das IPN, die beiden Gräber könnten die Überreste von 300–400 Menschen enthalten; viele Historiker gehen von mehreren hundert bis etwa tausend Ermordeten aus.
Am 10. Juli 2001, bei der Gedenkfeier zum 60. Jahrestag, bat Präsident Aleksander Kwaśniewski hier im eigenen Namen und im Namen jener Polen, „deren Gewissen berührt ist“, um Vergebung; 2011 wiederholte Präsident Bronisław Komorowski die Bitte. Der damalige Bürgermeister Krzysztof Godlewski, der sich für das Gedenken einsetzte, erhielt 2002 den Jan-Karski-Preis. Bei der Exhumierung wurde ein zweites Grab mit Bruchstücken des Lenin-Denkmals gefunden.
Das Denkmal steht im offenen Gelände an der ul. Krasickiego, einige hundert Meter östlich des früheren Marktplatzes. Es ist ein Ort der Trauer: Nach jüdischem Brauch legen Besucher kleine Steine auf das Denkmal. Den jüdischen Friedhof besucht man nicht am Schabbat und an jüdischen Feiertagen, Männer bedecken den Kopf. Planen Sie 30–45 Minuten ein; die Ausstellung zu Jedwabne im Museum der Geschichte der polnischen Juden POLIN in Warschau bietet hilfreichen Kontext.
Eintritt frei
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