Kirchen & Klöster
Łomża, Podlachien
Die Kathedrale von Łomża ist ein Lehrbuchbeispiel der masowischen Gotik – mit einigen Überraschungen. In den Seitenschiffen verbergen sich Zellengewölbe, die in Masowien selten sind, in den Schiffen stehen Renaissance-Grabmäler aus der Werkstatt von Santi Gucci, und in der Turmmauer steckt ein Stein, der einer Maske ähnelt – möglicherweise ein früheres heidnisches Kultobjekt. Zugleich ist sie das Heiligtum der Muttergottes der Schönen Liebe, deren Bild Papst Johannes Paul II. 1991 krönte.
Mit dem Bau der heutigen Kirche begannen Anfang des 16. Jahrhunderts die masowischen Herzöge Janusz und Stanisław zusammen mit ihrer Mutter Anna, nachdem die ältere Kirche auf dem Popowa Góra verfallen war. Die Bauarbeiten leitete der Płocker Bischof Andrzej Noskowski, der die Kirche 1525 weihte. Um 1550 wurde sie zur Pseudobasilika umgebaut und eingewölbt. Einer Hypothese zufolge ist der Chor älter als der Rest und könnte die Burgkapelle der masowischen Herzöge aus dem frühen 15. Jahrhundert gewesen sein – eine Deutung der Forschung, keine gesicherte Tatsache. Nach Zerstörungen in den Schwedenkriegen wurde das Innere nach Entwürfen von Józef Szymon Bellotti barockisiert (Arbeiten 1691–1692). 1925 wurde die Kirche Kathedrale des neu gegründeten Bistums Łomża. Im Zweiten Weltkrieg entging sie dank Bischof Stanisław Łukomski der Sprengung, und 1953–1958 erhielt sie nach Plänen von Władysław Paszkowski ihren gotischen Charakter zurück.
Bei der Renovierung des Chors 2005 stieß man unter dem Fußboden auf eine Gruft, was archäologische Grabungen auslöste. Dabei wurden zehn Grüfte und rund 70 Bestattungen freigelegt, darunter die sterblichen Überreste eines Geistlichen, der als Erbauer der Kathedrale gilt. Das Bild der Muttergottes von Łomża erschien 2004 auf einer Briefmarke, und eine stilisierte Silhouette der Kathedrale ziert eine Münze von 2007 aus der Serie „Historische Städte Polens".
Die Kathedrale ist eine aktive Pfarrkirche; laut Website der Pfarrei finden werktags Messen um 7:00, 8:00, 12:00 und 18:00 Uhr statt, sonntags häufiger. Besichtigen Sie den Innenraum zwischen den Gottesdiensten – für einen ruhigen Rundgang zu Grabmälern und Kapelle sollten Sie 30–45 Minuten einplanen. Die Pfarrei hat QR-Codes zur Geschichte der Kirche und einen virtuellen Rundgang auf ihrer Website eingerichtet – ein Blick vorab lohnt sich. Am meisten los ist zum Ablassfest der Muttergottes der Schönen Liebe am ersten Sonntag im Juni. Bis zum Alten Markt mit dem Rathaus ist es nicht weit.
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