Kirchen & Klöster
Liegnitz, Niederschlesien
In einer achteckigen Kapelle an der Johanneskirche in Legnica (Liegnitz) führen vier Alabasterfiguren ein Gespräch, das nie endet. Es sind die letzten Piasten, jener Dynastie, die Polen begründete: der fünfzehnjährige Herzog Georg Wilhelm, seine Eltern und seine Schwester. Das Piastenmausoleum von 1677–1679 ist die erste barocke Grabkapelle Schlesiens und ein Denkmal für ein ganzes Herrscherhaus, das hier jahrhundertelang regierte und mit dem Tod des Jungen 1675 erlosch.
Im März 1675 leistete der junge Georg Wilhelm Kaiser Leopold I. die Huldigung; der Kaiser erklärte ihn für volljährig und übertrug ihm die Herzogtümer Liegnitz, Brieg und Wohlau. Er regierte nur acht Monate und starb am 21. November 1675 als letzter männlicher Piast. Seine Mutter, Herzogin Luise von Anhalt, erkannte die politische Tragweite und beschloss, ein Mausoleum zu errichten, das zugleich die ganze Dynastie verherrlichen sollte. Mangels Mitteln entstand kein eigener Bau: Man baute den Chor der gotischen Johanneskirche um, die seit Mitte des 16. Jahrhunderts Grablege der Liegnitz-Brieger Piasten war. Der italienische Baumeister Carlo Rossi, zuvor an der Piastenresidenz in Ohlau tätig, entwarf die achteckige Kuppelkapelle. Der Dichter Daniel Casper von Lohenstein prägte das Bildprogramm mit und verfasste die lateinische Stiftungstafel. Als die alte Kirche 1714 abgerissen wurde, blieb nur der Chor mit dem Mausoleum erhalten und wurde als Kapelle in den neuen Barockbau von 1714–1727 einbezogen.
Die Familie war calvinistisch, und der Calvinismus lehnte Bilderverehrung ab; das einzige religiöse Motiv war daher eine Figur des Auferstandenen, die Ende des 17. Jahrhunderts verloren ging. Die Schwester des Herzogs, Charlotte, ruht nicht hier: Sie trat zum Katholizismus über und wurde ihrem Wunsch gemäß in Trzebnica (Trebnitz) zu Füßen der hl. Hedwig beigesetzt.
Das Mausoleum (ul. Ojców Zbigniewa i Michała 1) wird vom Kupfermuseum betreut. 2026 finden Einzelbesuche montags bis freitags als Führung um 11:00, 12:30 und 14:00 Uhr statt; das Ticket kostet 5 PLN ohne Ermäßigung und ist an der Kasse des benachbarten Kupfermuseums erhältlich. Gruppen reservieren andere Zeiten spätestens am Vortag unter +48 76 862 49 49. Während der Messe gibt es keine Führungen. Für die Kapelle genügen etwa 30 Minuten; verbinden Sie den Besuch mit dem Kupfermuseum und einem Spaziergang zum Piastenschloss.
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