Kirchen & Klöster
Białystok, Podlachien
Ein durchbrochener Turm mit einer Marienfigur auf einer Krone überragt vom Hügel an der ul. Lipowa das Zentrum von Białystok. Die Basilika St. Rochus entstand als Kirchen-Denkmal der wiedergewonnenen Unabhängigkeit Polens und gehört zu den wichtigsten Werken der polnischen sakralen Moderne — seit 2018 steht sie auf der Liste der Geschichtsdenkmäler. Entworfen hat sie Oskar Sosnowski; der 1927 begonnene Bau wurde während des Krieges vollendet.
Jahrzehntelang wollten die Bewohner auf dem Hügel über der Stadt eine Kirche bauen, doch die zaristischen Behörden lehnten stets ab. Auf dem Hügel lag ein katholischer Friedhof von 1839 mit einer Rochuskapelle, den russische Truppen während des Januaraufstands schändeten. Am 2. Februar 1925 erlaubte Bischof Jerzy Matulewicz Pfarrer Adam Abramowicz, eine zweite Pfarrei in der Stadt zu gründen. Ein 1926 ausgeschriebener Wettbewerb brachte 76 Entwürfe, darunter avantgardistische Vorschläge von Bohdan Lachert und Józef Szanajca, doch keiner überzeugte den Pfarrer. In einem zweiten Wettbewerb 1927 fiel die Wahl auf Sosnowskis Konzept.
Finanziert wurde der Bau fast ausschließlich durch Spenden der Gläubigen. Im September 1939 stand der Rohbau mit Kuppel und einem Turm samt Figur. Sosnowski kam im selben Monat bei der Belagerung Warschaus ums Leben, die Leitung übernahm Stanisław Bukowski. Die deutschen Truppen nutzten die Kirche kurz als Kaserne, die sowjetischen Behörden planten darin einen Zirkus. Gottesdienste begannen 1941, der Bau war 1944 abgeschlossen, und am 18. August 1946 wurde die Kirche geweiht. Im Oktober 2018 erhob Papst Franziskus sie zur Basilica minor.
Ursprüngliches Patrozinium sollte der Morgenstern sein — Symbol für den Anbruch der Unabhängigkeit; deshalb legte Sosnowski dem Grundriss einen Stern zugrunde und wiederholte das Motiv in den Gewölben. Der achteckige Bau steigt in drei Stufen an; Hauptkörper und durchbrochener Turm sind aus Stahlbeton, was einen hellen, leichten Innenraum ergibt. Die Kirche umgibt eine Mauer mit vier Ecktürmchen, die an die Wehrkirchen der früheren Ostgebiete erinnern, und das halbrunde Tor lässt an das Tor der Morgenröte in Vilnius denken.
Ein Teil des Materials für die Mauer stammt aus dem Abriss der orthodoxen Auferstehungskathedrale von Białystok. Neben der Kirche steht ein modernistisches Pfarrhaus von 1929–1932, ebenfalls von Sosnowski entworfen.
Die Basilika steht an der ul. Lipowa, wenige Gehminuten vom Kościuszko-Markt. Sie ist eine genutzte Pfarrkirche; den Innenraum besichtigen Sie am besten außerhalb der Messzeiten. Für Kirche und Mauer von außen genügen 30–45 Minuten.
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