Kirchen & Klöster
Von außen wirkt die St.-Nikolaus-Kirche in Gąsawa wie eine kleine, schlichte Holzkirche. Im Inneren verbirgt sich jedoch eine der größten Überraschungen der Region Pałuki: Wände und Decken sind mit mehr als 700 m² historischen Malereien bedeckt, die rund 150 Jahre unter Putz verborgen waren.
Warum lohnt sich ein Besuch?
Gerade der Kontrast zwischen außen und innen macht diesen Ort so besonders.
Hinter der zurückhaltenden Holzfassade erwartet Besucher ein außergewöhnlich reich ausgestatteter Innenraum. Heilige, biblische Szenen, Ornamente, Girlanden, Inschriften und symbolische Darstellungen bedecken große Teile der Wände und Decken.
Besonders eindrucksvoll ist das Jüngste Gericht. Ein ungewöhnliches Detail zeigt Verdammte, die von Dämonen in den geöffneten Rachen des Leviathan geführt werden. Daneben sind unter anderem der heilige Augustinus, der heilige Nikolaus und zahlreiche biblische Motive zu entdecken. Auffällig sind außerdem die vielen musizierenden Engel und historischen Musikinstrumente.
Noch spannender wird die Kirche durch die Geschichte ihrer Malereien. Während einer Renovierung im 19. Jahrhundert wurden sie unter einer dicken Putzschicht verborgen und gerieten anschließend weitgehend in Vergessenheit.
Erst bei Restaurierungsarbeiten 1998–1999 kamen die alten Bilder überraschend wieder zum Vorschein. In den folgenden Jahren wurden weitere Teile der Malereien freigelegt.
Die größte Sehenswürdigkeit der Kirche ist von außen also überhaupt nicht zu erkennen.
Eine Geschichte, die weit zurückreicht
Gąsawa wird bereits 1136 in historischen Quellen erwähnt. Seit 1145 war der Ort eng mit den Chorherren von Trzemeszno verbunden. Eine örtliche Pfarrei ist spätestens seit dem 14. Jahrhundert urkundlich nachweisbar.
Auch das Alter der heutigen Kirche ist interessant. Kirchliche Quellen nennen 1674 als Baujahr der neuen Kirche. Vom polnischen Nationalen Denkmalinstitut zitierte bauhistorische und dendrochronologische Untersuchungen weisen jedoch darauf hin, dass Teile der Blockkonstruktion bereits früher im 17. Jahrhundert entstanden sein könnten und 1674 umfangreiche Arbeiten durchgeführt wurden.
Außergewöhnlich ist auch die Bauweise: Die Kirche verbindet Blockbau- und Fachwerkkonstruktion miteinander.
Was sollte man sich ansehen?
Das wichtigste Highlight sind natürlich die Polychromien. Ein bedeutender Teil der barocken Ausmalung entstand 1705–1706.
Die Bilder waren früher nicht nur Dekoration. Die zahlreichen Szenen aus Bibel und Heiligenleben vermittelten religiöse Inhalte auch Menschen, die nicht lesen konnten. Das gesamte Innere lässt sich deshalb fast wie ein riesiges Bilderbuch betrachten.
Sehenswert ist außerdem die spätgotische Kreuzigungsgruppe auf dem Triumphbalken aus dem frühen 16. Jahrhundert. Sie ist damit älter als die heutige Kirche.
Im Hauptaltar befindet sich außerdem das verehrte Bild der Muttergottes des Trostes. Die Kirche ist deshalb zugleich ein Marienheiligtum.
Tripto Tipp
Nicht vom Äußeren täuschen lassen.
Bleib nach dem Betreten zunächst im hinteren Teil der Kirche stehen und lass den gesamten Innenraum auf dich wirken. Erst danach lohnt es sich, einzelne Szenen zu suchen — besonders das Jüngste Gericht, die musizierenden Engel und die Malereien an der Decke.
Für Fotos eignet sich ein Weitwinkelobjektiv besonders gut.
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