Kirchen & Klöster
Kartuzy, Pommern
Über dem Haupteingang der Stiftskirche von Kartuzy (Karthaus) schwingt ein Engel mit Sense hin und her: das Pendel einer Uhr, die in die Orgelempore eingebaut ist. Die ganze Kirche bedeckt ein Dach in Form eines Sargdeckels. Beides sagt dasselbe wie der Leitspruch des Ordens, der sie erbaute: memento mori – bedenke, dass du sterben musst. Die gotische Kirche Mariä Himmelfahrt ist das wertvollste Baudenkmal von Kartuzy und eines der bedeutendsten in Pommern; im Chor ist eine vergoldete Lederwandbespannung erhalten, wie es sie sonst nirgends in Polen gibt.
Die Kartause Domus Paradisi Mariae, das Marienparadies, wurde 1380 etwa 40 km westlich von Danzig gegründet, zwischen Klostersee und Krugsee. Laut Gemeinde Kartuzy begann der Kirchenbau 1381 auf Initiative des Danziger Patriziers Jan Thiergart, geweiht wurde die Kirche am 7. Oktober 1403 (andere Quellen nennen die Bauzeit 1383–1405). Die Kartäuser lebten zurückgezogen, jeder Mönch in einem eigenen Häuschen, der Klause; viele der 16 Klausen stifteten Danziger Bürger. In die Kirche gelangten sie über überdachte Kreuzgänge, ohne ins Freie treten zu müssen.
Das Kloster gedieh dank Zuwendungen des Deutschen Ordens und Schenkungen und betrieb Teerschwelereien, Glashütten und Köhlereien. Nach der Aufhebung des Klosters wurden fast alle Klausen und Kreuzgänge abgerissen. Heute ist die Kirche Pfarrkirche und Sitz des Kollegiatkapitels von Kartuzy.
Den Korduan stiftete Prior Wawrzyniec Fendrich. Er bestand aus 60 Feldern zu je 4,5 Gulden, zusammen stattliche 270 Gulden, und Kartuzy ist die einzige Kirche Polens, in der eine solche Bespannung am ursprünglichen Ort erhalten ist. Die Uhr an der spätrenaissancezeitlichen Empore von etwa 1640 hat nur einen Zeiger. Von der einstigen Anlage sind eine Klause, ein Stück des großen Kreuzgangs, Wirtschaftsgebäude und das Refektorium erhalten, in dem seit 1995 eine Galerie für zeitgenössische Kunst arbeitet.
Die Stiftskirche steht an der ul. Klasztorna 5. Sie ist eine aktive Pfarrkirche, besuchen Sie sie daher außerhalb der Gottesdienste; gehen Sie vorher einmal um das Gebäude herum, um Dach und die einzige erhaltene Klause zu sehen. Für Innenraum und Umgebung genügen 45–60 Minuten, im Sommer lohnt sich ein Konzert des Kartuzer Festivals für Orgel- und Kammermusik, das in der Kirche stattfindet. Von der Kirche gelangen Sie hinunter zum Klostersee, im Zentrum wartet das Kaschubische Museum. Kartuzy ist ein guter Ausgangspunkt für den Kaschubischen Landschaftspark.
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