Kirchen & Klöster
Kamień Pomorski, Westpommern
Der Dom zu Cammin (Kamień Pomorski), heute die Konkathedrale St. Johannes der Täufer, ist eine der ältesten und bedeutendsten Kirchen an der polnischen Ostseeküste und als polnisches Geschichtsdenkmal (Pomnik Historii) geschützt. Fast vier Jahrhunderte lang residierten hier die Bischöfe von Pommern. Heute lohnt sich der Besuch wegen des gotischen Backsteininnenraums, des mittelalterlichen Kreuzgangs, des ältesten erhaltenen Dachstuhls Polens und der barocken Orgel, an der seit Jahrzehnten ein internationales Orgelfestival stattfindet.
Cammin liegt am Camminer Bodden (Zalew Kamieński) im Nordwesten Polens, gleich neben der Insel Wollin (Wolin). Von Stettin (Szczecin) sind es rund 70–80 km nach Norden, von Berlin etwa drei Autostunden. Am bequemsten kommst du mit dem Auto; Busverbindungen solltest du vorab in den aktuellen Fahrplänen prüfen. Der Dom steht am Rand der kleinen Altstadt, wenige Gehminuten vom Marktplatz und vom Ufer des Boddens entfernt – ein guter Ausflug, wenn du ohnehin auf Usedom oder Wollin Urlaub machst.
Mit der Mission Ottos von Bamberg kam 1124 das Christentum nach Cammin; damals entstand eine hölzerne Johanneskirche. 1176 stiftete Herzog Kasimir I. an ihrer Stelle einen Dom, und 1188 bestätigte Papst Clemens III. die Verlegung des pommerschen Bischofssitzes von Wollin nach Cammin.
Der Bau zog sich lange hin und wurde durch brandenburgische Überfälle 1273 und 1308 unterbrochen. Aus der romanischen Basilika mit Querhaus und Apsis wurde im 14. und 15. Jahrhundert ein gotischer Bau. Nach dem Tod des letzten katholischen Bischofs Erasmus von Manteuffel 1544 wurde der Dom evangelisch und blieb es rund vierhundert Jahre lang. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Ausstattung schwer beschädigt; Mitte des 19. Jahrhunderts ließ der preußische König Friedrich Wilhelm IV. den Dom umfassend instand setzen.
Im Frühjahr 1945 wurde die Kirche durch Artilleriebeschuss beschädigt, der berühmte Domschatz ging größtenteils verloren. Nachdem Cammin polnisch geworden war, wurde der Dom am 16. September 1945 für den katholischen Gottesdienst neu geweiht. Seit 1972 ist er Konkathedrale, seit dem 1. September 2005 Geschichtsdenkmal und seit 2010 Wallfahrtsort.
Das berühmte Camminer Kruzifix von etwa 1300 befindet sich heute im Nationalmuseum Stettin.
Das Internationale Festival für Orgel- und Kammermusik findet im Dom seit 1964 statt, traditionell mit Konzerten an Freitagabenden im Sommer. Die Pfarrei kündigt außerdem Sommerkonzerte von Juli bis September an. Gruppen können kurze Orgelkonzerte telefonisch buchen – es gibt eine eigene deutschsprachige Nummer.
Für Dom und Kreuzgang reicht etwa eine Stunde; mit Konzert und Altstadtbummel solltest du zwei bis drei Stunden einplanen.
Auf jeden Fall, gerade für Gäste aus Deutschland: Der Dom erzählt die ganze Geschichte Pommerns – vom slawischen Herzogtum über das mittelalterliche Bistum Cammin und vier Jahrhunderte evangelischer Gemeinde bis zum polnischen Neubeginn nach 1945. In der Nähe warten das gotische Rathaus und das Wolliner Tor in der Altstadt, die Uferpromenade am Bodden, der Nationalpark Wollin und die Strände von Misdroy (Międzyzdroje) und Dievenow (Dziwnów).
Prüfe aktuelle Informationen vor dem Besuch.
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Geprüft: Oktober 2026