Kirchen & Klöster
Trzęsacz, Westpommern
Als um 1400 in Trzęsacz, dem früheren Hoff, die Nikolaikirche aus Backstein entstand, stand sie mitten im Dorf, etwa 1,8–2 km vom Meer entfernt. In den folgenden Jahrhunderten unterspülte die Ostsee das Steilufer und holte sich das Land Meter für Meter. Heute ist nur noch ein Teil der Südwand übrig: 12 Meter lang und 6 Meter hoch, direkt an der Abbruchkante. Sie ist das bekannteste Beispiel für Küstenabtragung (Abrasion) in Polen.
Der Überlieferung nach entstand hier 1124 eine erste Holzkirche. Die gotische Backsteinkirche maß 23 mal 9 Meter und war aus handgeformten Ziegeln auf einem Feldsteinfundament gebaut. Sie gehörte zu den stattlichsten Dorfkirchen Hinterpommerns. Nach Einführung der Reformation in Pommern 1534 wurde sie evangelisch. 1750 lag sie noch 58 Meter von der Kante entfernt, damals versuchte man erstmals, das Ufer mit Faschinenmatten und Pfählen zu sichern.
Das Meer war schneller. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts legte es den Kirchhof frei, der 1809 geschlossen wurde. 1820 waren es bis zur Kante nur noch 13 Meter, 1868 gerade noch ein Meter. Trotzdem fanden bis 1874 Gottesdienste statt, dann wurde die Kirche aus Sicherheitsgründen geschlossen. In der Nacht vom 8. auf den 9. März 1900 stürzte die Nordwand ein, in den folgenden Jahrzehnten holte sich das Meer Chor, Fassade und Ecken. Das letzte große Stück, die Hälfte der Südwand, fiel am 1. Februar 1994.
Das Renaissance-Chorgestühl von 1583 mit den gemalten Wappen der Gutsherren steht heute im Dom von Kamień Pomorski (Cammin). Eine Glocke von 1679 mit 419 kg trug eine Inschrift, die die Gläubigen in das Haus Gottes rief, sobald sie die Glocke vom Turm hörten. 1917 wurde sie für Kanonen eingeschmolzen. Man erwog sogar, die ganze erhaltene Wand landeinwärts zu verschieben, entschied sich aber für die Befestigung des Kliffs. Eine örtliche Sage erklärt alles auf ihre Weise: Fischer fingen Zielenica, die Tochter der Ostsee. Als sie aus Sehnsucht starb und an der Kirche begraben wurde, schickte ihr Vater Welle um Welle, um ihren Leichnam zurückzuholen.
Die Ruine steht im Zentrum von Trzęsacz, unweit der neuen Kirche. Von oben sehen Sie gut die Wand und den Verlauf des Kliffs, am eindrucksvollsten ist aber der Blick vom Strand unten, von wo man sieht, wie wenig Land unter der Mauer geblieben ist. Für den Ort selbst genügen 20–30 Minuten, doch ein Spaziergang am Ufer Richtung Rewal lohnt sich, um dort das Triptychon der alten Kirche zu sehen. Gehen Sie außerhalb der markierten Stellen nicht an die Kante, das Ufer bricht weiterhin ab. Am schönsten leuchtet der Backstein am späten Nachmittag und bei Sonnenuntergang.
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