Höhlen
Ojców, Kleinpolen
2018 fanden Archäologen in der Jaskinia Ciemna („Dunkle Höhle“) Fingerknochen eines Neandertalerkindes, die rund 115.000 Jahre alt sind – die ältesten bekannten menschlichen Überreste auf dem Gebiet Polens. Die Höhle am Koronna-Berg im Nationalpark Ojców besitzt die größte Kammer des gesamten Krakau-Tschenstochauer Jura und gehört zu den wertvollsten archäologischen Fundstätten des Landes. Besichtigt werden kann sie nur mit Führung und nur im Sommerhalbjahr.
Die Höhle liegt etwa 65 m über dem Talboden des Prądnik, ihr Eingang weist nach Südwesten – ein warmer, gut zu verteidigender Platz mit weiter Sicht. Die ältesten Feuersteinwerkzeuge aus den Sedimenten sind etwa 120.000 bis 115.000 Jahre alt. Neandertaler lebten hier über längere Zeit, vielleicht mehrmals; ihre Spuren werden dem Micoquien zugeordnet, das in Polen nach diesem Tal auch „Prądnik-Kultur“ heißt. In den stellenweise über 8 m mächtigen Ablagerungen fanden sich zudem verbrannte Tierknochen, die in der Eiszeit mangels Holz als Brennstoff dienten, sowie Reste von Höhlenbären, Höhlenlöwen, Hyänen und Vielfraßen.
Die ersten Grabungen leitete ab 1898 Stanisław Jan Czarnowski, seit 2007 forschen hier Wissenschaftler der Jagiellonen-Universität, des Archäologischen Museums Krakau und der Polnischen Akademie der Wissenschaften. Seit 1924 steht die Höhle unter Denkmalschutz.
Das einstige System aus Gängen und Kammern ist insgesamt 209 m lang. Es besteht aus der eigentlichen, durch ein Gitter verschlossenen Höhle, dem Tunnel, einem Felshof namens Ogrojec und dem Gang Oborzysko Wielkie. Die Hauptkammer ist fast 90 m lang, etwa 20 m breit und stellenweise über zehn Meter hoch.
Im Inneren herrschen das ganze Jahr über 7–8 °C, im Winter überwintern hier etwa 20 Fledermäuse, meist Große Mausohren und Kleine Hufeisennasen. Der Tropfsteinschmuck ist spärlich, da Besucher des 19. Jahrhunderts ihn größtenteils zerstört haben.
Am 4. Juli 1787 fand in der Hauptkammer ein Konzert für König Stanisław August Poniatowski statt. Später besuchten unter anderem Hugo Kołłątaj, Stanisław Staszic, Julian Ursyn Niemcewicz und Frédéric Chopin die Höhle. In der Zwischenkriegszeit wurden hier geheime Versuche zum unterirdischen Empfang von Radiowellen durchgeführt, weshalb die Höhle im ersten Nachkriegsverzeichnis der Höhlen Polens fehlte.
In der Saison 2026 war die Höhle vom 20. April bis 14. September geöffnet. Gruppen von 2 bis 60 Personen starten zur vollen Stunde, letzter Einlass werktags um 16:00, an Wochenenden und Feiertagen um 17:00. Gruppen über 10 Personen sollten reservieren. Die Kasse liegt an der asphaltierten Straße, von dort sind es rund 400 m steiler Aufstieg – tragen Sie festes Schuhwerk und nehmen Sie etwas Warmes mit. Die Führung in der Höhle dauert etwa 15 Minuten. Der grüne Wanderweg durch das Prądnik-Tal verbindet die Höhle mit der Felsnadel Igła Deotymy, den Jungfernfelsen (Skały Panieńskie) und der Burgruine Ojców; die Termine der nächsten Saison finden Sie auf der Website des Nationalparks Ojców.
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