Natur
Ojców, Kleinpolen
An einem Sommermittag kann sich die Oberfläche eines weißen Felsens am Südhang des Prądnik-Tals auf 60 °C aufheizen, während das Thermometer wenige Dutzend Meter weiter, im schattigen Wald am Nordhang, 22 °C zeigt. Dieser Kontrast ist der Schlüssel zu Ojców: ein schmales, in Kalkstein geschnittenes Tal, über dem freistehende Felstürme aufragen – das Krakauer Tor, die Nadel der Deotyma, der Handschuh und am Nordende des Parks die Herkuleskeule. Es ist der kleinste Nationalpark Polens und einer der markantesten Orte des Polnischen Jura.
Die Felsen von Ojców bestehen aus Kalkstein des Oberjura, der sich auf dem Grund eines urzeitlichen Meeres bildete; er ist stellenweise bis zu 200 m mächtig. Es gibt zwei Arten: harten, kompakten Massenkalk voller Schwammskelette und weicheren, geschichteten Bankkalk mit Feuersteinknollen. Im Alttertiär ebnete die Abtragung die Gegend zu einer welligen Hochfläche in etwa 450 m Höhe ein. Nur die widerstandsfähigsten Blöcke aus Massenkalk blieben stehen – das sind die Felstürme (polnisch ostańce). Später schnitten sich die Flüsse rund 100 m tief in die Hochfläche ein, und Reste alter Felsterrassen an den Talhängen wurden zu Toren, Nadeln und Türmen.
Im 19. Jahrhundert holzte man hier ganze Wälder ab und grub Höhlensedimente als Dünger aus. Die ersten Flächen kaufte der Hobbyarchäologe Jan Zawisza zum Schutz der Natur, später Ludwik Krasiński, und eine auf Initiative von Adolf Dygasiński gegründete Aktiengesellschaft erwarb Schloss Pieskowa Skała samt Felsen ringsum. Professor Władysław Szafer entwarf 1924 ein Naturschutzgebiet, doch der Park entstand erst am 14. Januar 1956 – als sechster Polens. Er umfasst 21,46 km², sein Symbol ist die Fledermaus.
Ojców liegt etwa 16 km nördlich von Krakau. Ein Wanderweg führt durch die Talsohle des Prądnik an den meisten bekannten Felsen vorbei; vom Krakauer Tor durch Ojców zur Nadel der Deotyma brauchen Sie 2–3 Stunden, mit Pieskowa Skała und der Herkuleskeule einen halben Tag oder mehr. Der Besucherandrang ballt sich im engen Tal – am Krakauer Tor, an der Łokietek-Höhle, im Schlosspark und in Pieskowa Skała –, kommen Sie am Wochenende also früh. Am schönsten ist der Herbst, wenn sich der Wilde Wein an der Nadel der Deotyma rot färbt. Denken Sie daran, dass Sie in einem Nationalpark sind: Bleiben Sie auf den markierten Wegen; Felsen wie die Herkuleskeule oder die Nadel der Deotyma dürfen nicht beklettert werden.
Eintritt frei
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