Museen
Mosina, Großpolen
Am Ufer des Góreckie-Sees steht ein weißer Palast, der heute der Natur dient – gebaut wurde er jedoch für einen der schlimmsten Verbrecher im besetzten Großpolen. Arthur Greiser, Reichsstatthalter im Wartheland, ließ hier während des Zweiten Weltkriegs seine Residenz errichten; zur Arbeit gezwungen wurden Häftlinge des Lagers Żabikowo. Seit den 1990er-Jahren beherbergt das Gebäude die Direktion des Nationalparks Wielkopolska und sein Naturkundemuseum, und der See, den Greiser nach seiner Frau umbenannte, trägt wieder seinen polnischen Namen.
Den Entwurf lieferte das in den 1930er-Jahren gefragte Büro Estorff & Winkler aus Potsdam. Nach Angaben der Parkmitarbeiter ist von der ursprünglichen Ausstattung wenig erhalten, wohl aber die Raumaufteilung: ein steinerner Kamin mit Kacheln, die Wappen von Städten des Warthelandes zeigen, eine stattliche Holztreppe ins Obergeschoss, wo Greiser und seine Frau Maria ihre Wohnräume hatten, und zwischen den Zimmern der Eheleute ein verborgener Durchgang mit Tresorfächern. Es gab auch einen Kinosaal für Propagandafilme. Von den Terrassen blickte man auf den Góreckie-See, damals Gurkasee, den Greiser in Mariensee umbenannte. Die Gegend heißt im Volksmund bis heute Greiserówka – ebenso die Straße von Komorniki nach Jeziory. Greiser wurde wegen Kriegsverbrechen verurteilt und 1949 hingerichtet.
Nach dem Krieg waren im Gebäude ein Waisenhaus und später ein Tuberkulose-Präventorium für Kinder untergebracht. Seit 1992 ist es Sitz der Parkdirektion. Gutachter prüften sogar, ob der viel beschworene Bunker unter dem Haus tatsächlich existiert.
Das Museum in Jeziory wurde im Mai 1998 eröffnet. Es setzt die Tradition des Museums in Puszczykowo fort, das am 4. August 1952 öffnete – fünf Jahre vor der offiziellen Gründung des Parks 1957. Es begann mit 530 Exponaten und zählte in 46 Jahren fast 800.000 Besucher. Heute füllt die Ausstellung vier Säle im Erdgeschoss:
Die Halle des Palastes dient für Wechselausstellungen – gezeigt wurde dort etwa die Entstehungsgeschichte der polnischen Nationalparks. Außerdem gibt es einen kleinen Laden mit Parkkarten und Reiseführern.
Laut Website des Parks ist das Museum montags bis freitags von 8:00 bis 14:00 Uhr geöffnet, samstags geschlossen und sonntags nur von April bis September (11:00–18:00 Uhr). Der Normalpreis beträgt 10 PLN, ermäßigt 5 PLN (Preisliste vom Juli 2026). Gruppen von 10–25 Personen können mindestens 14 Tage im Voraus eine Führung buchen. Für die Ausstellung reicht eine Stunde; danach lohnt ein Gang hinunter zum Góreckie-See und auf einen Teil der Parkwege. Der Palast ist ein Ort der Erinnerung, kein romantisches Schlösschen – daran sollte man beim Blick auf den Kamin mit den Wappen denken. Jeziory liegt in der Gemeinde Mosina, in den Wäldern südlich von Poznań.
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