Berge & Gipfel
Wisła, Schlesien
Auf dem Gipfel der Czantoria Wielka (995 m) steht man mit einem Fuß in Polen und mit dem anderen in Tschechien — und zugleich auf der Hauptwasserscheide des Landes zwischen Weichsel und Oder. Sie gehört zu den meistbesuchten Gipfeln der polnischen Beskiden, denn von Ustroń Polana führt ein Sessellift hinauf. Kaum jemand weiß, dass hier 1990 eine Menschenmenge um den Dissidenten Adam Michnik die Grenzabsperrung niederriss — aus Protest gegen den Eisernen Vorhang.
Die Czantoria Wielka ist die höchste Erhebung des Stożek-Czantoria-Kamms in den Schlesischen Beskiden und zugleich der höchste Gipfel des tschechischen Teils dieses Gebirges. Ihre Hänge sind steil — der Höhenunterschied zwischen der Stadt Ustroń und dem Gipfel beträgt rund 630 m — und mit Buchen- und Tannen-Fichten-Wald bewachsen. Zwei Naturschutzgebiete schützen die Gipfelregion: das polnische „Czantoria“ und das tschechische „Čantoryje“. Der Gipfel selbst ist flach und weitläufig. Auf tschechischer Seite steht ein stählerner Aussichtsturm mit Plattform in 29 m Höhe (Eintritt kostenpflichtig), einige hundert Meter westlich eine Baude, die 1904 vom deutschen Beskidenverein errichtet wurde.
Der Name taucht erstmals in einer Urkunde des Teschener Herzogs Adam Wenzel vom 3. Oktober 1615 auf; die ursprüngliche Form „Czartoryja“ soll einen von Teufeln aufgewühlten Ort bezeichnen. Seit dem Ende des Ersten Weltkriegs verläuft die Staatsgrenze über den Berg. In der Zwischenkriegszeit blühte hier der Schmuggel: Aus der Tschechoslowakei kamen Schuhe und Industriewaren, in die Gegenrichtung Lebensmittel und mitunter sogar Vieh. Ab 1933 veranstalteten kommunistische Aktivisten auf dem Gipfel Kundgebungen mit Fußballspielen — unter den Augen von Gendarmen und Grenzern. 1990 rissen Demonstranten hier die Grenzabsperrung nieder; den touristischen Grenzübergang gibt es seit dem 21. Dezember 2007 nicht mehr, als Polen und Tschechien dem Schengen-Raum beitraten.
Der Sage nach schlafen im Inneren des Berges, in einer goldenen Kammer, Ritter mit dreihundert Pferden, bereit, Schlesien in größter Not zu Hilfe zu kommen. Darauf beruht der Ritterpfad (Rytířská stezka) auf tschechischer Seite, der in Nýdek beginnt. Am Westhang, am Weg nach Nýdek, liegt der „Stein der Protestanten“ — ein Fels mit eingemeißeltem Kreuz, eine der „Waldkirchen“, in denen im 17. und 18. Jahrhundert heimlich evangelische Gottesdienste gefeiert wurden. Am Weg zum Beskidek-Pass erinnert ein Kreuz an den tschechoslowakischen Soldaten Klement Šťastný, der bei der Grenzziehung ums Leben kam.
Der Sessellift „Czantoria“ von Ustroń Polana, 1967 gebaut und 2007 modernisiert, bringt Sie auf die Lichtung Stokłosica unterhalb des Gipfels; von der Bergstation führt ein kurzer Waldweg nach oben. Zu Fuß dauert der Aufstieg von Ustroń Polana etwa 1:45 Std. (Abstieg 1:15 Std.), vom Zentrum Ustrońs rund 2:30 Std. Über den Gipfel verläuft der rot markierte Hauptbeskidenweg; weiter geht es zum Soszów, zum Stożek oder hinab nach Nýdek und Třinec. An der Talstation gibt es im Sommer eine Rodelbahn, im Winter führt eine Skipiste von Stokłosica ins Tal.
Für Lift, Gipfel und Turm planen Sie 2–3 Stunden ein, mit Aufstieg zu Fuß von Ustroń einen halben Tag. Bei guter Sicht reicht der Blick vom Turm über die Schlesischen und Mährisch-Schlesischen Beskiden bis zum Stausee Goczałkowice und im Westen nach Karviná und Ostrava. Der Turm steht auf tschechischer Seite — Preise und Öffnungszeiten prüfen Sie daher auf der Website des Betreibers; bei starkem Wind kann er geschlossen sein. Fahrzeiten und Preise des Sessellifts finden Sie auf der Website der Seilbahn Czantoria.
Prüfe aktuelle Informationen vor dem Besuch.
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