Historische Orte
Łódź
Der Alte Friedhof in Łódź (Stary Cmentarz) an der Ogrodowa-Straße ist die älteste erhaltene Begräbnisstätte der Stadt und eines der eindrucksvollsten Zeugnisse ihrer Industriegeschichte. Auf rund 21 Hektar liegen katholischer, evangelischer und orthodoxer Teil nebeneinander, dazwischen die Grabkapellen der großen Fabrikantenfamilien – allen voran die neugotische Kapelle von Karl (Karol) Scheibler. Für deutsche Besucher besonders spannend: Viele dieser Familien stammten aus Deutschland.
Der Friedhof wurde 1855 für die drei christlichen Gemeinden der rasch wachsenden Textilstadt angelegt. Heute umfasst der katholische Teil rund 11 ha, der evangelisch-augsburgische etwa 9 ha und der orthodoxe knapp 1 ha. Seit 2015 gehört er zum polnischen Geschichtsdenkmal „Łódź – multikulturelle Landschaft einer Industriestadt“; mehr als 200 Grabmäler stehen unter Denkmalschutz. Hier ruhen Angehörige der Fabrikantenfamilien Scheibler, Grohman, Geyer, Kunitzer und Kindermann sowie Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Medizin und Kultur. Im orthodoxen Teil liegen vor allem Beamte und Soldaten aus der Zeit der russischen Herrschaft. Der bekannteste Name ist Karl Scheibler (1820–1881) aus Monschau in der Eifel, der in Łódź das größte Baumwollimperium der Stadt aufbaute. Im evangelischen Teil liegt außerdem Ira Aldridge, der afroamerikanische Shakespeare-Darsteller, der 1867 während einer Tournee in Łódź starb. Deutsche, polnische und russische Inschriften spiegeln die Vielvölkerstadt des 19. Jahrhunderts wider; die jüdische Gemeinde hatte ihren eigenen Friedhof an anderer Stelle.
Für einen ruhigen Rundgang solltest du 1–2 Stunden einplanen.
Es ist ein aktiver Friedhof: Verhalte dich ruhig, betritt keine Gräber und fotografiere keine Beerdigungen. Die Wege sind überwiegend unbefestigt, mit Kinderwagen oder Rollstuhl wird es stellenweise mühsam. Die Beschilderung ist polnisch.
Łódź liegt in Zentralpolen; von Berlin fährst du über die A2 rund fünf Stunden. Der Friedhof befindet sich westlich des Zentrums, etwa eine Viertelstunde zu Fuß von der Manufaktura. Auf der Ogrodowa fahren Straßenbahnen, Parken ist gebührenpflichtig.
Ja – vor allem für Architektur- und Geschichtsinteressierte. Am 1. November leuchten tausende Grablichter, und seit 1995 sammeln Freiwillige an diesem Tag Spenden für die Restaurierung – ins Leben gerufen vom Journalisten Wojciech Słodkowski, seit 1999 organisiert von einer Gesellschaft zum Schutz des Friedhofs. Wer es ruhiger mag, kommt an einem Wochentag im Frühling oder Frühherbst, wenn Licht und Laub die Grabskulpturen besonders gut zur Geltung bringen. Kombiniere den Besuch mit der Manufaktura und dem Stadtmuseum im Palast von Izrael Poznański.
Zeiten gültig bis 31. März 2027
Kwiecień–październik 8:00–20:00; listopad–marzec 8:00–17:00 (biuro pn.–pt. 8–16).
Wstęp wolny
Prüfe aktuelle Informationen vor dem Besuch.
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Geprüft: Oktober 2026