Berge & Gipfel
gmina Stronie Śląskie, Niederschlesien
Am 2. Januar 2020 wurden vom Gipfel des Śnieżnik die österreichischen Alpen fotografiert — der Schneeberg und die Heukuppe in fast 290 km Entfernung. Damals war das die weiteste je dokumentierte Fernsicht in Polen. Der Śnieżnik (deutsch Glatzer Schneeberg, 1425 m), höchster Gipfel des Glatzer Schneegebirges und höchster Punkt der Ostsudeten auf polnischer Seite, ist eine sanfte, waldfreie Kuppe an der Grenze zu Tschechien — mit neuem Aussichtsturm, Blockfeldern und der Quelle eines der größten Flüsse Tschechiens direkt unterhalb des Gipfels.
Der Śnieżnik liegt auf der europäischen Hauptwasserscheide: Die Staatsgrenze folgt hier der Linie, von der die Bäche auf polnischer Seite zur Ostsee und auf tschechischer Seite zum Schwarzen Meer fließen. In einer eiszeitlichen Schneemulde am Südhang, etwa 200 m vom Gipfel entfernt, entspringt die March (Morava). Der Berg ist Knotenpunkt von sechs Kämmen und der einzige Gipfel des Massivs, der über die Waldgrenze hinausragt — oberhalb von 1250 m erstrecken sich Bergwiesen.
Seine Natur ist die artenreichste der Sudeten, weil hier sudetische, karpatische und alpine Arten aufeinandertreffen. An den Hängen liegen Blockfelder, die im kalten Klima der Eiszeit entstanden sind. Der Gipfelbereich oberhalb von 1150 m ist ein strenges Naturschutzgebiet von 192 ha, das erstmals bereits 1938 ausgewiesen wurde.
Der Aufschwung des Tourismus begann 1838, als Prinzessin Marianne der Niederlande (aus dem Haus Oranien) den Berg und die umliegenden Güter erwarb. In ihrem Auftrag entstand 1871 eine Hütte auf der Alm unterhalb des Gipfels, die bis heute bewirtschaftet wird. 1895 bis 1899 errichtete der Glatzer Gebirgsverein auf dem Gipfel einen steinernen Turm im Stil eines mittelalterlichen Bergfrieds — sechs Geschosse, 33,5 m hoch und nach Kaiser Wilhelm I. benannt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg verfiel die touristische Infrastruktur. 1971 wurde die Hütte auf tschechischer Seite abgerissen, und am 11. Oktober 1973 sprengte man den Turm, obwohl er entgegen den Behauptungen baulich nicht marode war. Fast ein halbes Jahrhundert bildeten seine Trümmer den höchsten Punkt des Berges. An derselben Stelle wurde ein neuer Aussichtsturm gebaut und am 26. September 2022 eröffnet.
Der einfachste Aufstieg von polnischer Seite führt von Międzygórze auf dem rot markierten Sudeten-Hauptwanderweg zur Hütte unterhalb des Śnieżnik und von dort zum Gipfel. Auf tschechischer Seite beginnt ein Weg in Velká Morava. Oberhalb der Waldgrenze gibt es keinerlei Schutz — nehmen Sie unabhängig vom Wetter im Tal eine winddichte Jacke und eine warme Schicht mit. Die besten Chancen auf Fernsicht bieten kalte, trockene Tage im Herbst und Winter. Der Śnieżnik gehört zur Krone der polnischen Berge, und die Tour lässt sich gut mit der Bärenhöhle in Kletno verbinden, in der Überreste von Höhlenbären entdeckt wurden.
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