Märkte & Altstädte
Węgrów, Masowien
In der Sakristei der Kirche am Marktplatz von Węgrów hängt ein Metallspiegel mit lateinischer Inschrift: Meister Twardowski, der polnische Faust, habe damit gezaubert, nun aber diene der Spiegel Gott. Diese Legende ist nur ein Grund, am Rynek Mariacki (Marienmarkt) in Węgrów Halt zu machen, einer Stadt am Fluss Liwiec an der Grenze zwischen Masowien und Podlachien. Den Platz säumen eine Barockbasilika mit Fresken von Michelangelo Palloni und das Danziger Haus aus dem 18. Jahrhundert, Erinnerung an die Zeit, als Węgrów eine wichtige Handelsstadt war.
Węgrów wird 1414 erstmals erwähnt, im Zusammenhang mit der Stiftung einer Pfarrkirche. 1441 verlieh Herzog Bolesław IV. von Masowien das Stadtrecht. Die Lage an der Handelsstraße nach Ruthenien ließ den Ort rasch wachsen. Ab 1558 wurde Węgrów ein wichtiges Zentrum der Reformation mit Druckerei und evangelischer Schule, und 1565 war die Stadt die Wiege der Polnischen Brüder, einer radikalen protestantischen Bewegung. Ab 1593 gehörte sie den Radziwiłłs, 1664 verkaufte Bogusław Radziwiłł sie an den Katholiken Jan Kazimierz Krasiński, der die Gegenreformation einführte.
Die Hauptkirche am Platz, seit 1997 Basilica minor Mariä Himmelfahrt, war ursprünglich gotisch und diente 1558–1630 den Protestanten, von 1565 bis 1592 den Polnischen Brüdern. 1703–1706 bauten Carlo Ceroni und Jan Reisner sie nach Entwurf von Tylman van Gameren barock um. Im Innern sehen Sie Fresken von Michelangelo Palloni aus den Jahren 1707–1708 und Gemälde von Szymon Czechowicz.
In der Sakristei wird der sogenannte Spiegel des Twardowski aufbewahrt: ein Metallspiegel aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts in einem Rahmen aus dem 17. Jahrhundert. Die Spiegelfläche besteht aus einer Legierung von Silber, Zinn und Zink, und die lateinische Inschrift am Rahmen besagt, Twardowski habe damit Zauberkünste vollbracht, nun aber diene er Gott. Węgrów pflegt die Legende: Seit 2015 findet hier das Festival „Land des Meisters Twardowski“ statt.
An der Nordseite des Platzes steht das barocke Danziger Haus (Dom Gdański) aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Seinen Namen verdankt es Danziger Kaufleuten, die hier der Überlieferung nach eine Handelsniederlassung hatten; schon im 16. Jahrhundert diente ein Vorgängerbau dem Handel. Achten Sie auf den zweigeschossigen, geschwungen abschließenden Giebel mit Stern und das Mansarddach mit Gauben. Heute befinden sich hier die Stadtbibliothek, das Museum für Podlachische Textilien und ein Twardowski-Kabinett, im Keller eine Galerie für Wechselausstellungen.
Für den Platz allein genügt eine halbe Stunde, mit Basilika, Danziger Haus und Reformatenkirche sollten Sie 2–3 Stunden einplanen. Die Basilika ist eine aktive Pfarrkirche, besichtigen Sie Innenraum und Sakristei daher außerhalb der Messen und fragen Sie im Pfarrbüro nach dem Spiegel. Die Öffnungszeiten von Museum und Galerie im Danziger Haus sollten Sie vor dem Besuch prüfen.
Eintritt frei
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