Paläste
Starawieś, Masowien
Unter der Uhr am Eckturm dieses weißen Schlosses steht die Jahreszahl AD MDCCCXLIII — 1843, Erinnerung an die Verwandlung des befestigten Sitzes der Radziwiłł in die „englische Burg“ des Fürsten Sergei Golizyn. Schloss Starawieś bei Węgrów, umgeben von Wassergraben, Teichen und einem fast 30 Hektar großen Park, gilt als eines der besten Beispiele neugotischer Profanarchitektur in Polen. Seit 1966 gehört es der Polnischen Nationalbank (NBP) und dient als Schulungszentrum — ein Ziel für einen kurzen Fotostopp, nicht für eine Innenbesichtigung.
Die älteste Erwähnung der Residenz stammt aus einem Inventar der Herrschaft Węgrów, das 1619 im Auftrag von Janusz Radziwiłł, Kastellan von Wilna, erstellt wurde. Das Schloss war damals ein dreigeschossiger Massivbau mit Uhr am Turm, und der gesamte Sitz — an der Grenze zwischen Podlachien und der polnischen Krone — war befestigt: mit einem durch Basteien verstärkten Palisadenzaun und einem Wassergraben, der bis heute erhalten ist. 1655–1661 ließ Fürst Bogusław Radziwiłł an der Front zwei Ecktürme mit Zwiebelhauben anbauen. Ein Inventar von 1659 beschreibt ein dreifaches Befestigungssystem, dank dessen die Residenz die Schwedenkriege unbeschadet überstand.
Die größte Veränderung kam in den 1840er-Jahren unter Fürst Sergei Golizyn: Die Eckanbauten wurden abgerissen, ein Portikus, ein Turm und eine Terrasse hinzugefügt, und die Fassade erhielt die Wappen der Golizyn, Jezierski, Sapieha, Krasiński und weiterer mit Starawieś verbundener Familien. 1859–1862 modernisierte der Architekt Bolesław Podczaszyński die Innenräume nach dem Vorbild englischer Herrenhäuser der elisabethanischen Zeit (manche Quellen, etwa das Victorian Web, datieren den neugotischen Hauptumbau auf 1866–1871). 1912 brachte man am Tor das Radziwiłł-Wappen an, zur Erinnerung an die Rückkehr der Familie.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Ausstattung geplündert; im Schloss waren nacheinander eine Schule, ein Lager und Ferienlager untergebracht. 1966 übernahm die Nationalbank die Anlage, ließ sie 1972–1979 instand setzen und 1999–2001 gründlich restaurieren.
Der prächtigste Raum ist der Weiße Saal, ein früherer Ballsaal, dessen Decke ein maurisches Stalaktitengewölbe nachahmt. Laut dem Inventar von 1619 hingen im Obergeschoss Porträts der Fürsten Janusz und Krzysztof Mikołaj Radziwiłł, und der Speisesaal nahm die Hälfte des Geschosses ein und hatte acht Fenster.
Das Schloss ist ein umzäuntes Schulungszentrum; offizielle Quellen nennen keine Regeln für Touristen — rechnen Sie damit, es nur von außen durch das Tor zu sehen. Wenn Sie den Park betreten möchten, fragen Sie vorher im Zentrum nach. Starawieś liegt etwa 9 km nordwestlich von Węgrów in der Gemeinde Liw und ist am besten mit dem Auto oder Fahrrad erreichbar. Für Fotos vom Tor aus genügen 15–20 Minuten.
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