Märkte & Altstädte
Przemyśl, Karpatenvorland
Der Marktplatz von Przemyśl (Rynek; die Stadt hieß auf Deutsch früher Przemysl, veraltet Premissel) ist das Herz der Altstadt und einer der ungewöhnlichsten Marktplätze Polens: Statt einer ebenen Fläche erwartet dich ein deutlich abschüssiger Platz am Hang, gesäumt von bunten Bürgerhäusern aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Im Umkreis weniger hundert Meter liegen Kathedralen, Kirchen, der Uhrturm und das Schloss. Hier beginnt jede Besichtigung von Przemyśl – und hier sitzt auch der brave Soldat Schwejk aus Bronze.
Przemyśl gehört zu den ältesten Städten Polens: Die Nestorchronik erwähnt den Ort bereits zum Jahr 981. Das Stadtrecht nach Magdeburger Recht erhielt die Stadt vor 1320, König Władysław Jagiełło bestätigte es 1389. Vier Straßen führten auf den Markt und teilten die Stadt in Viertel.
In der Mitte stand ein Rathaus, belegt seit dem frühen 15. Jahrhundert und 1563 im Renaissancestil neu errichtet. Ringsum gab es Fleischbänke, die Stadtwaage, einen Pranger und einen Brunnen. Nach der Ersten Teilung Polens 1772 gehörte Przemyśl zum österreichischen Galizien; um 1812 ließen die österreichischen Behörden das Rathaus abreißen, wie in vielen galizischen Städten. Sein Aussehen kennen wir von einem Stich Hogenbergs aus dem Jahr 1618 und einem Fresko in der Franziskanerkirche.
Erhalten sind drei Platzseiten; die westliche verschwand teils durch Abrisse um 1800, teils bei Kämpfen im Juni 1941. Die Häuser gehen auf das 16. und 17. Jahrhundert zurück, viele haben ihre Laubengänge bewahrt. Nach einem Brand 1638 wurden zweite Stockwerke aufgesetzt, im 19. Jahrhundert die meisten Fassaden umgestaltet. Sehenswert:
Jaroslav Hašek ließ einen Teil der Abenteuer seines „braven Soldaten Schwejk“ in der k.u.k.-Festungsstadt Przemyśl spielen – im Roman landet Schwejk hier im Juli 1915. Seit 2008 sitzt eine Bronzefigur Schwejks am Markt auf einer Munitionskiste, mit Bierkrug und Pfeife; ein beliebtes Fotomotiv. Jedes Jahr am 19. März feiern dort Josefs und Josefas ihren Namenstag. Die gesamte Altstadt ist seit 2018 als polnisches Geschichtsdenkmal (Pomnik Historii) geschützt.
Der Platz ist öffentlich und rund um die Uhr frei zugänglich. Für den Markt selbst genügt eine halbe Stunde, mit Museen und Kirchen der Umgebung solltest du einen halben Tag einplanen. Das Kopfsteinpflaster ist steil – mit Kinderwagen mühsam, im Winter rutschig.
Das Museum der Stadtgeschichte (Nr. 9) ist dienstags bis samstags 9:00–16:00 Uhr und sonntags 11:00–15:00 Uhr geöffnet, montags geschlossen; Eintritt 22 Złoty, mittwochs frei.
Przemyśl liegt an der Autobahn A4, die von der deutschen Grenze bei Görlitz über Breslau (Wrocław), Kattowitz und Krakau (Kraków) durchgehend hierher führt – knapp 700 km. Mit der Bahn gibt es direkte Verbindungen aus Krakau und Rzeszów, der nächste Flughafen ist Rzeszów-Jasionka. Vom Hauptbahnhof gehst du etwa eine Viertelstunde zum Markt. In der engen, steilen Altstadt gibt es kaum Parkplätze – besser etwas außerhalb parken.
Eintritt frei
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Geprüft: Oktober 2026