Paläste
Łódź
Oben auf der Fassade in der Piotrkowska-Straße 104 stehen drei Frauengestalten: Freiheit, Industrie und Handel. So präsentierte sich 1882 Juliusz Heinzel, der „Wollkönig“ und Besitzer der größten Wollwarenfabrik im Königreich Polen. Sein erster Palast steht an der berühmtesten Straße von Łódź, und mittags erklingt hier aus einem Fenster des Rathauses das Turmsignal der Stadt.
Juliusz Heinzel (1834–1895) gründete 1864 in der Piotrkowska 104 eine mechanische Weberei für Wollwaren. Um 1874 war sein Betrieb der größte seiner Art im Königreich Polen (dem damals russisch beherrschten Teil Polens), und 1879 gründete er mit Juliusz Kunitzer im Stadtteil Widzew die „Widzewer Manufaktur“. 1891 kaufte er Gut und Schloss Hohenfels im Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha samt Freiherrentitel. Das war in Łódź einmalig; zwei Jahre später wurde er wegen unrechtmäßiger Führung des Titels angeklagt, jedoch freigesprochen.
Der Palast entstand vor der Fabrik in der Straßenflucht. Der Entwurf wird Hilary Majewski zugeschrieben, die Bauleitung hatte Otto Gehlig, der spätere Schwiegersohn des Fabrikanten. Die Residenz vereinte Wohn-, Repräsentations- und Geschäftsräume. Sie bestand aus einem dreigeschossigen Hauptbau und zwei symmetrischen Nebengebäuden, die durch Tore mit schmiedeeisernen Gittern vom Palast getrennt waren.
In den 1950er-Jahren wurde der Palast mit den umgebauten Fabrikgebäuden verbunden, in denen sich u. a. eine Weberei befunden hatte; ihre Fassaden wurden vereinheitlicht. Zum Plac Komuny Paryskiej hin stehen heute schlichte Amtsgebäude. Die prächtigen Innenräume haben die vielen Renovierungen größtenteils nicht überstanden. Seit dem 29. Juli 1998 wird täglich um 12:00 Uhr aus einem Fenster des Rathauses das Turmsignal von Łódź gespielt — die Melodie von Stanisław Moniuszkos Lied „Prząśniczka“ (Die Spinnerin).
Im Gebäude befinden sich Behörden, daher sehen Sie den Palast vor allem von außen — eine Viertelstunde genügt. Kommen Sie kurz vor Mittag, um das Turmsignal live zu hören, und setzen Sie sich neben Tuwim auf die Bank. Weitere Spuren des Fabrikanten finden Sie anderswo: Der Julianowski-Park im Stadtteil Julianów trägt seinen Namen, und das monumentale Grabmal der Familie Heinzel steht auf dem Alten Friedhof an der ul. Ogrodowa.
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