Märkte & Altstädte
Łódź
Die Piotrkowska-Straße in Łódź (deutsch historisch Lodz) ist die Hauptachse einer der größten Städte Polens und eine der längsten Prachtstraßen Europas: schnurgerade, rund 4,2 km lang, gesäumt von Palais, Banken und Bürgerhäusern der Textilfabrikanten des 19. Jahrhunderts. Heute ist der nördliche Abschnitt eine Flaniermeile mit Cafés, Kneipen, Wandbildern und Bronzefiguren. Wer verstehen will, wie Łódź zur Industriemetropole wurde, beginnt hier.
Łódź liegt in Zentralpolen, etwa 130 km südwestlich von Warschau (Warszawa); Schnellzüge brauchen rund anderthalb Stunden bis zum Bahnhof Łódź Fabryczna, von dem du die Piotrkowska in wenigen Gehminuten erreichst. Aus Berlin bist du mit dem Auto rund fünf Stunden unterwegs (über die A2). Die Straße verläuft von Norden nach Süden vom Plac Wolności (Freiheitsplatz) bis zum Plac Niepodległości. Am sehenswertesten sind die ersten rund zwei Kilometer bis zu den Alleen Piłsudskiego und Mickiewicza.
Als Gründungsjahr gilt 1821, als die Achse der neuen Fabrikstadt und der achteckige Marktplatz angelegt wurden; der Name erscheint erstmals 1823 auf einem Stadtplan und verweist auf die Straße nach Piotrków. Im 19. Jahrhundert lebten in Łódź Polen, Deutsche, Juden und Russen; viele Fabrikanten stammten aus deutschsprachigen Ländern, etwa Ludwig Geyer, Karl Scheibler oder Julius Heinzel. Am 23. Dezember 1898 fuhr hier die erste elektrische Straßenbahn der Stadt. Unter der deutschen Besatzung wurde die Stadt in Litzmannstadt umbenannt und die Straße hieß Adolf-Hitler-Straße – ein dunkles Kapitel, zu dem auch das Ghetto Litzmannstadt im Norden der Stadt gehört.
Ab 1992 wurde der Autoverkehr schrittweise verbannt, 2012–2014 erhielt der Nordabschnitt Granitplatten und neue Laternen. Seit 2015 gehört die Straße auf ganzer Länge zum Geschichtsdenkmal (Pomnik Historii) „Łódź – multikulturelle Landschaft einer Industriestadt“.
Seit 1999 wächst die Galerie der Großen Lodzer: Bronzefiguren, zu denen man sich setzen kann – der Dichter Julian Tuwim auf seiner Bank (Nase reiben bringt Glück), Arthur Rubinstein am Flügel, Nobelpreisträger Władysław Reymont auf seinem Koffer und drei Fabrikanten. Zwischen den Straßen Tuwima und Nawrot liegen 13.454 Pflastersteine mit Namen von Einwohnern – ein Denkmal von 2002.
Wer in Tore und Höfe schaut, wird belohnt. Unter Nr. 29 steht das ehemalige Bankhaus von Wilhelm Landau mit reich verzierter Fassade, unter Nr. 243 das Haus von Gottlieb Beer, das als ältestes mehrgeschossiges Ziegelhaus der Stadt gilt. In Nr. 256 öffnete 1872 die erste polnische Buchhandlung von Łódź. Eine Synagoge gab es an der Piotrkowska übrigens nie, obwohl hier viele jüdische Kaufleute und Fabrikanten wohnten – gebetet wurde in privaten Bethäusern. Der Dichter Jan Sztaudynger spottete einst, die größte Sorge der Lodzer sei, die ganze Stadt auf der Piotrkowska unterzubringen – an Wochenendabenden wirkt das bis heute so.
Unbedingt. Architektur, Stadtgeschichte, Streetart und Gastronomie liegen hier auf einer Strecke, ohne Eintritt und ohne Öffnungszeiten. Für einen Bummel brauchst du 1–1,5 Stunden, mit Höfen und Passagen einen halben Tag. Abends füllen sich die Biergärten und die OFF Piotrkowska. Im Sommer fahren Fahrradrikschas.
Rund 15 Gehminuten vom Plac Wolności liegt die Manufaktura in der früheren Fabrik von Izrael Poznański, daneben der Poznański-Palast mit dem Stadtmuseum. Am Südende lohnen die Weiße Fabrik und die Arbeitersiedlung Księży Młyn.
Ulica ogólnodostępna całodobowo przez cały rok.
Wstęp wolny
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Geprüft: Oktober 2026