Denkmäler
Kattowitz, Schlesien
Nikiszowiec (deutsch Nickischschacht) in Kattowitz (Katowice) ist die berühmteste Bergarbeitersiedlung Oberschlesiens und eine der schönsten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Neun Wohnblöcke aus rotem Backstein, Innenhöfe, Torbögen und die neobarocke St.-Anna-Kirche bilden eine kleine Stadt für sich, die seit 2011 als polnisches Geschichtsdenkmal geschützt ist. Wer verstehen will, wie Bergleute im Industrierevier lebten, kommt hier nicht vorbei.
Gebaut wurde die Siedlung zwischen 1908 und 1919 für die Belegschaft der Steinkohlengrube Giesche, die dem Konzern Georg von Giesches Erben gehörte. Oberschlesien war damals Teil des Deutschen Reiches; den Namen gab der Nickisch-Schacht. Entworfen haben sie die Vettern Emil und Georg Zillmann aus Charlottenburg bei Berlin, die auch die Gartenstadt Gieschewald (Giszowiec) planten.
Die Zillmanns schufen eine weitgehend autarke Siedlung mit rund 1.000 Wohnungen, meist zwei Zimmer mit Küche, dazu Läden, Wäscherei mit Mangel, Gaststätte und Kirche. Die St.-Anna-Kirche wurde ab 1914 gebaut und nach der Unterbrechung durch den Ersten Weltkrieg 1927 fertig. Nach 1922 gehörte die Siedlung zu Polen; der Bergbau prägte den Alltag noch über Jahrzehnte.
Seit 1978 steht der städtebauliche Grundriss unter Denkmalschutz, und 2011 wurde Nikiszowiec zum Geschichtsdenkmal Polens (Pomnik Historii) erklärt.
Polnische Filmfans kennen die Höfe aus Kazimierz Kutz’ „Salz der schwarzen Erde“ (1969) und aus „Angelus“ (2001).
Unbedingt, vor allem für Fans von Architektur, Industriekultur und Fotografie. Selten ist eine Werkssiedlung aus dem frühen 20. Jahrhundert so vollständig erhalten – und noch dazu bewohnt. Für einen Rundgang reichen 1–1,5 Stunden, mit Museum und Kaffee am Platz eher 2,5–3 Stunden. Am schönsten leuchtet der Backstein am späten Nachmittag.
Tipp zur Vorbereitung: Die polnische Reporterin Małgorzata Szejnert hat Nikiszowiec und Giszowiec in ihrem Buch „Czarny ogród“ (Der schwarze Garten) porträtiert – eine Reportage über rund hundert Jahre Geschichte beider Siedlungen und ihrer Bewohner, zwischen deutscher, polnischer und schlesischer Identität. Wer die Siedlung danach besucht, sieht die Höfe, Fenster und die Kirche mit anderen Augen.
Bitte denk daran, dass hier Menschen wohnen: keine Treppenhäuser betreten, nicht in Fenster fotografieren. Die Straßen sind eben, aber gepflastert – mit Kinderwagen gut machbar, mit Rollstuhl etwas holprig.
Nikiszowiec liegt im Osten von Kattowitz, im Stadtteil Janów-Nikiszowiec an der ul. Szopienicka. Aus dem Zentrum fahren Stadtbusse zu den Haltestellen „Nikiszowiec“; die aktuelle Verbindung zeigen die App Jakdojade oder Google Maps. Am Rand der Siedlung gibt es Leihfahrrad-Stationen.
Mit dem Auto erreichst du Kattowitz aus Deutschland über die A4 via Görlitz und Breslau (Wrocław). Stell den Wagen am besten am Rand der Siedlung ab, etwa in der Nähe der Galerie Szyb Wilson, und geh zu Fuß hinein – die engen Gassen sind den Anwohnern vorbehalten. Krakau (Kraków) liegt rund 80 km östlich, der Flughafen Kattowitz-Pyrzowice etwa 30 km nördlich.
Prüfe aktuelle Informationen vor dem Besuch.
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Geprüft: Oktober 2026