Kirchen & Klöster
Glatz, Niederschlesien
Der Legende nach begann alles mit einer Vision: Der junge Ernst von Pardubitz, Schüler der Johanniterschule in Glatz (Kłodzko), sah, wie sich die Marienfigur auf dem Altar belebte und ihm den Rücken zuwandte. Er verstand das als Warnung, wurde später erster Erzbischof von Prag und vermachte in seinem Testament große Summen für den Bau einer neuen Kirche. So entstand die Stiftskirche Mariä Himmelfahrt – eine gotische Basilika mitten in der Altstadt von Kłodzko, deren barocke Ausstattung zu den reichsten in Niederschlesien zählt.
Eine Kirche wurde hier bereits 1183 erwähnt, 1194 erhielten die Johanniter die Pfarrei. Der Grundstein der heutigen Kirche wurde 1344 gelegt, doch der Bau zog sich hin: Die Hussitenkriege unterbrachen die Arbeiten für über ein Jahrzehnt, erst nach 1458 ging es weiter. Bis 1468 standen das Mittelschiff und der südliche Weiße Turm mit Malteserkreuz und der Jahreszahl 1465; der niedrigere nördliche Schwarze Turm entstand zwischen 1487 und etwa 1522. Das gemauerte Gewölbe über dem Mittelschiff kam erst Mitte des 16. Jahrhunderts hinzu.
1624 übernahmen die Jesuiten die Kirche und gestalteten das Innere barock um – abgesehen von einer Unterbrechung nach der Aufhebung des Ordens sind sie bis heute hier. Am 15. August 2016 wurde die Kirche zur Stiftskirche erhoben. Sie ist gewaltig: Das Mittelschiff misst im Inneren 53,65 m, und ihre Achse ist um ganze 41° von der traditionellen Ostung abgedreht, weil der Platz nach Nordosten abfällt.
Der Erzbischof soll vorhergesagt haben, dass sein Grabmal ohne menschliches Zutun zerfallen würde – und so geschah es der Überlieferung nach. Einer anderen Legende zufolge floss aus dem Grab wundertätiges Öl, das die Einwohner mit Löffeln sammelten. In den beiden Türmen hängen fünf Glocken, die größte von 1499, doch sie schweigen wegen ihres schlechten Zustands seit Jahren. Unter dem Boden des nördlichen Seitenschiffs liegt die Gruft der Herzöge von Münsterberg (Ziębice), deren Gebeine 1558 hierher überführt wurden.
Für den Innenraum sollten Sie 45–60 Minuten einplanen, am besten außerhalb der Gottesdienste; die Öffnungszeiten erfragen Sie vorab bei der Pfarrei. An der Nordseite steht das Schwarze Tor, der einzige erhaltene Rest der Mauer des alten Kirchhofs. Die Kirche liegt am Plac Kościelny, wenige Minuten vom Marktplatz, und lässt sich gut mit der Unterirdischen Touristenroute, der gotischen Johannesbrücke und der Festung Glatz verbinden.
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