Kirchen & Klöster
Brochów, Masowien
Die Kirche St. Rochus und St. Johannes der Täufer in Brochów ist eine Renaissance-Wehrkirche am Fluss Bzura – und der Ort, an dem Frédéric Chopin 1810 getauft wurde. Mit drei mächtigen Rundtürmen und Wehrmauern wirkt sie eher wie eine Burg als wie eine Dorfkirche. Die meisten Besucher kommen im Rahmen eines Chopin-Ausflugs von Warschau, zusammen mit seinem Geburtshaus in Żelazowa Wola, nur 11 km entfernt.
Brochów liegt in Westmasowien am westlichen Rand des Kampinos-Nationalparks, etwa 15 km von Sochaczew und rund eine Autostunde westlich von Warschau. Öffentliche Verkehrsmittel fahren selten – am bequemsten bist du mit dem Auto oder einer organisierten Chopin-Tour unterwegs.
Eine Kirche wird hier erstmals 1113 erwähnt. Der heutige Bau entstand 1551–1561 im Auftrag des Gutsherrn Jan Brochowski nach Plänen des Baumeisters Giovanni Battista aus Venedig (Jan Baptysta Wenecjanin). Kriege setzten ihr immer wieder zu: Nach Zerstörungen im 17. Jahrhundert wurde sie mit Ziegelbastionen wiederaufgebaut; 1915 zerstörte Artilleriefeuer rund 70 % der Kirche, deren Türme als Beobachtungsposten dienten; im September 1939, während der Schlacht an der Bzura nach dem deutschen Überfall auf Polen, deckten polnische Soldaten von hier aus einen Flussübergang. Gedenktafeln an der Nordwand erinnern daran. Eine gründliche Restaurierung 2008–2010 zum 200. Geburtstag Chopins brachte die Gewölbemalerei zurück.
Chopins Eltern, Mikołaj (Nicolas) Chopin und Justyna Krzyżanowska, heirateten hier 1806. Am 23. April 1810 wurde ihr Sohn auf die Namen Fryderyk Franciszek getauft. Als Pate ist Franciszek Grembecki eingetragen – wohl in Vertretung des Grafen Fryderyk Skarbek –, Patin war Anna Skarbek. 1832 heiratete hier auch Chopins Schwester Ludwika. Eine Gedenktafel von 1993 im Inneren erinnert an die Taufe.
Giovanni Battista aus Venedig war im 16. Jahrhundert einer der wichtigsten Baumeister Masowiens und arbeitete auch in Płock, Pułtusk und Brok. Typisch für ihn ist das Tonnengewölbe mit einem Netz aus Kreis- und Rechteckfeldern, das du hier besonders gut sehen kannst. Im Inneren verbindet ein langer Gang über den Seitenschiffen die Türme – ein Hinweis auf die Verteidigungsfunktion des Baus.
Für Musikfreunde, Architektur- und Geschichtsinteressierte; Kinder begeistern meist die burgartigen Türme. Die schönsten Fotos gelingen vom Ufer der Bzura am Nachmittag, wenn sich die Backsteintürme im Wasser spiegeln.
Die Pfarrkirche veröffentlicht keine Besuchszeiten (Stand: Oktober 2026). Von außen kannst du sie jederzeit ansehen, innen am ehesten rund um die Messen, vor allem sonntags. Eintritt frei. Plane 30–45 Minuten ein; am Eingang gibt es Stufen. Informationen vor Ort gibt es nur auf Polnisch, lies dich also vorher ein.
Für Chopin-Fans unbedingt – und auch sonst ist eine Renaissance-Wehrkirche in Polen eine Seltenheit. Kombiniere den Besuch mit dem Herrenhaus und Park in Żelazowa Wola, Chopins Geburtsort, und einem Spaziergang im Kampinos-Nationalpark – so wird daraus ein abwechslungsreicher Tagesausflug ab Warschau.
Prüfe aktuelle Informationen vor dem Besuch.
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Geprüft: Oktober 2026