Kirchen & Klöster
Gniezno (Gnesen), Großpolen
An den Gewölbekonsolen lauert ein Fuchs auf Gänse, ein Pelikan füttert seine Jungen, und von einer Konsole blickt der hl. Menas mit seinen Kamelen herab, ein Märtyrer des 3. Jahrhunderts – ein Hinweis auf die nahöstlichen Wurzeln des Ordens, der hier einst wirkte. Die gotische Kirche St. Johannes der Täufer in Gniezno, früher im Besitz der Chorherren vom Heiligen Grab, birgt im Chor Wandmalereien aus dem 14. Jahrhundert, die zu den ältesten ihrer Art in Großpolen gehören. Sie liegt nur wenige Minuten vom Marktplatz entfernt, wird auf dem Weg zum Dom aber leicht übersehen.
Der Orden der Regularkanoniker vom Heiligen Grab entstand während des Ersten Kreuzzugs in Jerusalem. Um 1179 holte der Gnesener Domherr Przecław die Chorherren aus Miechów hierher und übergab ihnen die Heilig-Kreuz-Kirche in der Vorstadt. 1242/1243 stifteten die Herzöge Przemysł I. und Bolesław der Fromme Kirche und Kloster beim Spital in Grzybowo. Nachdem der Deutsche Orden Gniezno 1331 verwüstet hatte, entstand die heutige Backsteinkirche – der Chor um die Mitte des 14. Jahrhunderts, das Schiff etwas später.
Der Turm stammt aus dem 15.–16. Jahrhundert und erhielt 1666 eine barocke Haube mit Kupferblechdeckung. Ende des 17. und im 18. Jahrhundert wurde das Innere verputzt, wodurch die gotischen Malereien verschwanden. 1821 wurde der Orden aufgehoben: Die Kirche ging an die Protestanten, im Kloster zog die katholische Johannesschule ein.
Die Chorherren vom Heiligen Grab verbreiteten den Brauch, am Karfreitag ein Heiliges Grab aufzubauen – eine Tradition, die in polnischen Kirchen bis heute lebendig ist. Die Malereien werden mit Künstlern in Verbindung gebracht, die unter Erzbischof Jarosław Bogoria Skotnicki am Gnesener Dom arbeiteten. Sie liegen auf einer dünnen Kalktünche, durch die das regelmäßige Ziegelmauerwerk durchscheint.
Die Kirche steht in der ul. św. Jana, wenige Gehminuten vom Marktplatz und der Franziskanerkirche, am Königsweg von Gniezno. Feste Öffnungszeiten für Besucher veröffentlicht keine offizielle Stelle – fragen Sie im Besucherbüro am Lech-Hügel (ul. Kolegiaty 2, Tel. +48 602 708 231) nach einer Zugangsmöglichkeit. Für die Malereien genügen 15–30 Minuten; eine Kamera mit gutem Zoom ist hilfreich, denn die Prophetenköpfe sitzen hoch oben im Gewölbe. Verbinden Sie den Besuch mit dem Dom und der Gnesener Bronzetür auf dem Lech-Hügel.
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