Kirchen & Klöster
Murowana Goślina, Großpolen
Am Marktplatz von Murowana Goślina – offiziell Plac Powstańców Wielkopolskich – steht das älteste Baudenkmal der Stadt, die Pfarrkirche St. Jakobus der Ältere. Ihre Mauern erzählen von mehreren Jahrhunderten Umbau, doch das spannendste Stück ist eine Steinplatte an der Außenwand: ein Renaissance-Grabmal mit polnischer Inschrift, das nach dem Konfessionswechsel jahrelang in der Erde vergraben lag.
Granitquader in der Westfassade und im Sockel des Schiffs deuten auf mögliche romanische Ursprünge hin. Das gotische Ziegelmauerwerk und der Ostgiebel des Schiffs werden auf die Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert datiert. Die Gemeinde nennt 1605 als Baujahr der gemauerten Kirche, als die Stadt Jan Rozdrażewski gehörte; sie ersetzte einen älteren Holzbau und wurde an einen viereckigen Turm angebaut.
Den barocken Chor entwarf Pompeo Ferrari; die Quellen datieren ihn auf 1717 oder auf 1724–1726, als Pfarrer Filip Woliński den Bau leitete. 1830 wurde der Turm abgetragen und das Schiff verlängert; die Steinquader des Turms verbaute man in den Fundamenten und im westlichen Giebel. Im 19. Jahrhundert kamen eine Sakristei, ein Dachreiter auf dem Chor und ein freistehender dreigeschossiger Glockenturm hinzu, das Ganze umgab man mit einer Mauer mit zwei Toren.
Die Platte erinnert an Urszula Potulicka geb. Ostroróg, Gattin des Kalischer Woiwoden Piotr Potulicki, dem Goślina damals gehörte. Sie starb 1575; die Gemeinde bezeichnet ihr Grabmal als Beispiel protestantischer Kunst im Polen des 16. Jahrhunderts. Als um 1600 wieder Katholiken die Kirche übernahmen, wurde die Platte auf dem Kirchhof vergraben und erst im 19. Jahrhundert wieder ausgegraben. Sie ist von außen zu sehen, auch wenn die Kirche geschlossen ist.
Der Großpolnische Jakobsweg ist 235 km lang und führt von Gnesen über Lednica, Murowana Goślina, Posen und Leszno nach Głogów; Goślina liegt bei km 52, markiert ist der Weg mit einer weißen Muschel. Hier beginnt auch der Lebuser Jakobsweg Richtung Słubice – die erste Etappe bis Oborniki misst rund 17 km. Jedes Jahr feiern Pfarrei und Stadt das Patronatsfest mit Ablassfeier und Jahrmarkt.
Die Kirche ist eine aktive Pfarrkirche ohne feste Besuchszeiten – am einfachsten kommen Sie kurz vor oder nach einer Messe hinein; rechnen Sie mit 20–30 Minuten. Wenige Gehminuten entfernt steht die klassizistische Heilig-Geist-Kirche von 1784–1803, ein Rundbau mit Kuppel. Ende Februar und im März lohnt sich das Schutzgebiet Śnieżycowy Jar bei Starczanowo mit blühenden Märzenbechern, im Sommer das Forstarboretum in Zielonka.
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