Historische Orte
Teschen, Schlesien
An der ul. Hażlaska in Cieszyn (Teschen) liegen, wenige hundert Meter voneinander entfernt, zwei jüdische Friedhöfe. Der ältere, gegründet 1647, gehört zu den ältesten jüdischen Friedhöfen auf polnischem Boden und war als einer der wenigen über 250 Jahre ununterbrochen in Gebrauch; erhalten sind über 1.500 Grabsteine. Der neue wurde 1907 eröffnet, als auf dem alten der Platz ausging. Gemeinsam erzählen sie die Geschichte einer Gemeinde, die die Stadt drei Jahrhunderte lang mitgeprägt hat.
Die Anfänge gehen auf Jakob Singer zurück, den Begründer der ältesten dauerhaft in Teschen ansässigen jüdischen Familie und herzoglichen Zolleinnehmer. Eine Instruktion der Herzogin Elisabeth Lukretia vom 23. April 1647 erlaubte ihm, einen Begräbnisplatz für verstorbene Familienmitglieder und Bedienstete anzulegen. Singer kaufte dem Bürger Jan Kraus Land an einem „Weingärten“ genannten Hang ab und wurde dort als Erster bestattet, sein Grabstein ist jedoch nicht erhalten. Die ältesten erhaltenen Mazewot stammen aus dem späten 17. Jahrhundert und erinnern an die Singers und die mit ihnen verwandte Familie Ziffer.
Nach dem Toleranzedikt Karls VI. von 1713 wurden hier auch andere Juden bestattet, und die Singers kauften mehrmals Land hinzu – Arme begruben sie auf eigene Kosten. 1785 ging der Friedhof in den Besitz der jüdischen Gemeinde für ganz Teschener Schlesien über. Er erreichte schließlich rund 1,9 ha, und in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstand eine Trauerhalle, mitfinanziert von Emanuel A. Ziffer, einem gebürtigen Teschener und einem der führenden Eisenbahningenieure Österreichs.
Die Mazewot stehen an einem bewaldeten Hang. Auf den älteren sind die Inschriften hebräisch und waren oft bemalt, auf den jüngeren überwiegt Deutsch. Die einzige polnische Inschrift trägt das Grabmal des Warschauer Kaufmanns Dawid Bergson, der 1885 auf der Durchreise in Teschen starb. Hier ruhen Teschener Rabbiner wie Juda Löb Glücklich und Dr. Simon Friedmann, Gemeindevorsteher sowie die Vorfahren des Rabbiners Jecheskiel Paneth. Im Frühjahr 1945 erschossen die Deutschen hier 81 Geiseln, darunter 18 tschechische Pfadfinder aus Ostrava – an sie erinnert eine 1996 enthüllte Tafel an der Trauerhalle.
Die Gemeinde kaufte 1898 das Gelände oberhalb des alten Friedhofs, doch Proteste der Nachbarn verzögerten den Bau, bis ein Gericht in Wien zu ihren Gunsten entschied. Der 1,14 ha große Friedhof mit einem von Davidsternen geschmückten Tor wurde am 25. Juni 1907 eröffnet; die Trauerhalle entwarf der Wiener Architekt Jakob Gartner. Achten Sie auf das Grabmal der Familie Glesinger mit einem Relief einer Berglandschaft bei Sonnenuntergang vom schwedischen Künstler Otto Jarl. Nach dem Krieg wurden viele Obelisken gestohlen, die letzte Bestattung fand 1961 statt.
Der alte Friedhof steht seit 1986 unter Denkmalschutz und gehört der Jüdischen Gemeinde in Bielsko-Biała. Der Zugang hängt vom Verwalter ab – informieren Sie sich vor dem Besuch in Cieszyn über die aktuellen Regelungen. Verhalten Sie sich ruhig, berühren Sie keine Grabsteine und treten Sie nicht auf Gräber; Männer bedecken nach jüdischem Brauch den Kopf. Planen Sie für beide Friedhöfe etwa eine Stunde ein – der alte Stein ist brüchig, und der Hang kann nach Regen rutschig sein. Der Rundgang lässt sich gut mit der Altstadt und dem Schlossberg verbinden.
Prüfe aktuelle Informationen vor dem Besuch.
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