Kirchen & Klöster
Koszalin, Westpommern
Die eichenen Apostelfiguren im Altar der Kathedrale von Koszalin wurden aus Holz geschnitzt, das im Winter 1491/1492 in Wäldern an der Weichsel bei Toruń geschlagen wurde – das ergaben dendrochronologische Untersuchungen der Restauratoren. Anderthalb Jahrhunderte lang wanderten dieselben Skulpturen durch die Kirche, einige landeten sogar auf dem Dachboden. Heute stehen sie in einem neuen Triptychon im Chor der gotischen Basilika mit ihrem 56 Meter hohen Turm, dem wertvollsten Baudenkmal der Stadt.
Die Kirche entstand 1300–1333 als dreischiffige Backsteinbasilika mit mächtigem Westturm. Von 1534 bis 1945 war sie evangelische Pfarrkirche des pommerschen Köslin, seit 1972 ist sie Kathedrale des Bistums Koszalin-Kołobrzeg. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Innere „regotisiert“: Dabei entfernte man viele wertvolle Ausstattungsstücke, darunter den gotischen Hochaltar, der durch einen neugotischen ersetzt wurde. 1996 wurde in der Vorhalle Bischof Czesław Domin beigesetzt, der zweite Bischof der Diözese. Der Bau wurde im Rahmen eines Programms zur Erneuerung der mittelalterlichen Kathedralen Westpommerns gründlich restauriert.
Seit etwa 1512 stand im Chor ein Altar, doch sein ursprüngliches Aussehen ist unbekannt. Als der letzte Altarschrein Mitte des 19. Jahrhunderts zerfiel, stellte man die Figuren an der Kanzel und am Taufbecken auf und brachte sie schließlich auf den Dachboden. Zum 500. Jahrestag der vermuteten Altarweihe gaben Restauratoren den Skulpturen ihre ursprüngliche Farbigkeit zurück und bauten einen neuen Schrein. Das Triptychon wurde 2012 am Patronatsfest der Kathedrale enthüllt: Es ist fast 4,5 m hoch und mit geöffneten Flügeln 6 m breit. In der Mitte steht die Muttergottes mit Kind zwischen Johannes dem Täufer und Johannes dem Evangelisten, in den Flügeln die 12 Apostel, in der Predella heilige Frauen.
Von den alten Glocken der Kathedrale blieb nur eine erhalten – 1529 für die Nikolaikapelle gegossen. Wegen ihres historischen Werts entging sie in beiden Weltkriegen dem Einschmelzen und hängt seit der Nachkriegszeit in einer Kirche in Oldenburg in Niedersachsen. Die heutigen vier Glocken wurden 1979 in der Posener Glockengießerei Skubiszyński gegossen.
Die Kathedrale steht im Zentrum in der ul. Bolesława Chrobrego 7 und ist eine aktive Kirche – besuchen Sie sie außerhalb der Messen und fotografieren Sie nicht während der Liturgie. Für den Innenraum reichen 30–45 Minuten; beginnen Sie im Chor und suchen Sie dann das leicht zu übersehende Taufbecken in der Vorhalle. Die Pfarrei veröffentlicht keine Besichtigungszeiten und keine Angaben zur Turmbesteigung; rufen Sie im Zweifel im Pfarrbüro an (+48 511 020 207). Danach lohnt die Fahrt auf den Gollenberg (Góra Chełmska), von dem das Kruzifix stammt, und weiter nach Kołobrzeg (Kolberg) mit seiner gotischen Marienbasilika.
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