Historische Orte
Bromberg, Kujawien-Pommern
Das „Tal des Todes“ (Dolina Śmierci) im Bromberger Stadtteil Fordon ist eine bewaldete Schlucht, in der im Herbst 1939 deutsche Einheiten schätzungsweise 1200 bis 1400 Polen und Juden aus Bromberg (Bydgoszcz) und Umgebung erschossen. Heute ist der Ort eine der wichtigsten Gedenkstätten der Stadt – mit einem Denkmal aus den 1970er-Jahren, Namenstafeln und einem modernen Kreuzweg. Ein Besuch ist kein Ausflug im üblichen Sinn, sondern eine Begegnung mit einem dunklen Kapitel deutsch-polnischer Geschichte.
Die Schlucht liegt in der Siedlung Bohaterów in Fordon, etwa 12 km nordöstlich der Bromberger Innenstadt, am Steilhang über dem Weichseltal und innerhalb eines Landschaftsparks. Orientierungspunkt ist die Basilika der Muttergottes, Königin der Märtyrer (Pfarrei: ul. Gen. Mikołaja Bołtucia 5). Die Anfahrt mit Bus findest du im Fahrplan der städtischen Verkehrsbetriebe (ZDMiKP); mit dem Auto fährst du am besten in die Nähe der Basilika.
Am 5. September 1939 besetzte die Wehrmacht Bromberg. Am 3. und 4. September war es zu Kämpfen zwischen polnischen Soldaten und Volksdeutschen gekommen, bei denen Menschen auf beiden Seiten starben; die NS-Propaganda nutzte dies als „Bromberger Blutsonntag“, es folgten massenhafte Repressionen gegen die polnische Bevölkerung. Als die Massengräber in Tryszczyn und Borówno überfüllt waren, wurden die Erschießungen in diese Schlucht verlegt.
Die erste Exekution von Bromberger Bürgern fand hier am 10. Oktober 1939 statt, die letzte am 26. November 1939. Täter waren Angehörige des westpreußischen „Selbstschutzes“ – einer Miliz aus ortsansässigen Deutschen – und SS-Männer des Einsatzkommandos 16. Ermordet wurden vor allem Angehörige der polnischen Intelligenz sowie Juden. Da keine Dokumente gefunden wurden, lässt sich die genaue Zahl nicht feststellen; Historiker gehen von 1200 bis 1400 Opfern aus. Nach dem Krieg wurden die Überreste exhumiert und auf dem Ehrenfriedhof am Wzgórze Wolności (Freiheitshügel) in Bromberg beigesetzt.
Das Denkmal des Bildhauers Józef Makowski wurde am 31. August 1975 auf der Anhöhe über dem Tal enthüllt: hohe Säulen in Form geknickter Ähren, die wie erhobene Hände wirken, umgeben von Tafeln mit den Namen der Opfer. Seit 1947 wird im Tal – anfangs heimlich – ein Kreuzweg gebetet. Nach dem Besuch von Papst Johannes Paul II. in Bromberg 1999 entstand zwischen 2004 und 2009 der Kreuzweg „Golgota XX wieku“ (Golgatha des 20. Jahrhunderts) mit dreizehn zwei Meter hohen Edelstahlkreuzen und einer 24 Meter langen Wand mit durchbrochenem Kreuz. Die nahe Kirche ist seit 2008 Wallfahrtsort und seit 2014 Basilica minor.
Das Gelände ist frei zugänglich und kostenlos. Für den Weg vom Denkmal durch das Tal solltest du 30 bis 60 Minuten einplanen. Die Pfade führen über steiles Gelände, mit Kinderwagen oder Rollstuhl sind Teile schwer passierbar. Es handelt sich um einen Ort der Trauer und des Gebets: Bitte verhalte dich ruhig und fotografiere zurückhaltend. Jedes Jahr finden hier Gedenkfeiern, Kreuzwege und Prozessionen statt. Informationstafeln gibt es auf Polnisch.
Wenige Kilometer östlich liegt Alt-Fordon (Stary Fordon), die einstige Kleinstadt an der Weichsel mit ihrer klassizistischen Synagoge; jenseits der Fordoner Brücke erreichst du die Schlösser von Ostromecko. Wer die Geschichte vertiefen möchte, besucht zusätzlich den Ehrenfriedhof auf dem Wzgórze Wolności in der Innenstadt, wo die aus dem Tal exhumierten Opfer ruhen.
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Geprüft: Oktober 2026