Historische Orte
Ossów, Masowien
Bei Ossów entschied sich im August 1920 das Schicksal Warschaus. Auf dem Feld, auf dem polnische Soldaten – viele von ihnen erst 16 bis 18 Jahre alt – den Vormarsch der Roten Armee stoppten, liegen heute ein Friedhof mit acht Massengräbern und die Kapelle der Siegreichen Muttergottes. Hier fiel Pfarrer Ignacy Skorupka, eine der bekanntesten Figuren des „Wunders an der Weichsel“, wie die Polen ihren Sieg in der Schlacht bei Warschau nennen.
Im August 1920 lag Ossów an der Frontstraße zwischen der ersten und zweiten Verteidigungslinie Warschaus. Am 13. und 14. August griffen Regimenter der bolschewistischen 79. Schützenbrigade das Dorf an. Verteidigt wurde es vom polnischen 33. Infanterieregiment und dem 36. Infanterieregiment der Akademischen Legion, unterstützt von Freiwilligenverbänden. Jede Seite verlor rund 600 Mann an Toten, Verwundeten und Gefangenen. Etwa 100 Polen fielen, darunter Pfarrer Ignacy Skorupka, Kaplan des 236. Regiments.
Jahrzehntelang war der Ort nach dem Zweiten Weltkrieg kaum zugänglich. Die Behörden verschoben die Grenze des Truppenübungsplatzes Rembertów so, dass Kapelle und Friedhof darin lagen; am Eingang stand ein Schild „Militärgelände – Betreten bei Todesstrafe verboten“. Das änderte sich erst in den 1990er-Jahren.
Am 16. August 2025 wurde in Ossów das Museum der Schlacht bei Warschau 1920 eröffnet, eine Zweigstelle des Museums der Polnischen Armee. Das Gebäude steht auf einer 17 Meter hohen Anhöhe, zu der die 500 Meter lange Allee des Sieges führt; an ihrem Fuß ragen zwei 70 Meter hohe Masten auf. Die Dauerausstellung umfasst rund 1000 m² auf zwei Etagen: Uniformen und Waffen beider Seiten, Flugblätter und Propagandaplakate sowie ein französisches Belagerungsgeschütz von de Bange.
Für Friedhof und Kapelle sollten Sie 30–45 Minuten einplanen, mit Museum einen halben Tag. Es ist ein Gedenkort – bitte verhalten Sie sich besonders an den Gräbern ruhig. Aktuelle Öffnungszeiten und Preise des Museums prüfen Sie vorab auf der Website des Museums der Polnischen Armee. Um den 14. und 15. August finden Gedenkfeiern statt, dann kann es voll werden – wer Ruhe sucht, kommt besser an einem anderen Tag. Im nahen Radzymin liegt ein zweiter wichtiger Friedhof der Gefallenen der Schlacht bei Warschau.
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