Burgen
Ojców, Kleinpolen
König Kasimir der Große soll seine neue Burg „Ociec“ (alte Form von „Vater“) genannt haben — zum Gedenken an seinen Vater Władysław Ellenlang, der sich der Überlieferung nach im Kampf um den Krakauer Thron in den Höhlen der Umgebung versteckte. Daraus entstand der heutige Ortsname Ojców. Die Ruinen der Burg aus dem 14. Jahrhundert stehen auf einem Felshügel über dem Tal des Prądnik, mitten im Nationalpark Ojców, und vom restaurierten Torturm und der Aussichtsplattform überblicken Sie das ganze Tal.
Die Burg entstand auf Befehl des Königs zwischen 1354 und 1370 als Glied im Verteidigungssystem Krakaus und der Handelsstraße nach Schlesien. Der erste Burggraf, Zaklika, wird 1370 urkundlich erwähnt. Jahrhundertelang war die Burg Sitz einer königlichen Starostei, die mächtige Familien pachteten; nach 1536 gehörte sie Königin Bona Sforza. Im 17. Jahrhundert bauten die Koryciński sie um, 1655 nahmen die Schweden sie ein. 1787 bewirtete der letzte Starost Teofil Załuski hier König Stanisław August Poniatowski.
Der Niedergang kam nach den Teilungen Polens. 1802 wurde die Burg verlassen, und 1829 ließ der neue Eigentümer Konstanty Wolicki den Großteil der Mauern abtragen. Mit Steinen der Burgmauern ließ Aleksander Przeździecki später im Tal das Hotel „Kazimierz“ und das Restaurant „Łokietek“ errichten. Erhalten blieben der achteckige Turm, das Tor und die unteren Teile der Ringmauern.
Der Burghügel war lange vor dem König besiedelt: In der frühen Eisenzeit lag hier eine Siedlung der Lausitzer Kultur, die vermutlich bei einem Skytheneinfall zerstört wurde. Bei der Konservierung 2017–2019 wurde die Burg bewusst nicht rekonstruiert, sondern nur der erhaltene Bestand gesichert. Archäologen der Jagiellonen-Universität gruben hier noch 2024.
Die Burg gehört zum Nationalpark Ojców. Der Eintritt kostet 22 PLN, ermäßigt 15 PLN; die Öffnungszeiten veröffentlicht der Park monatlich (im Oktober 2026 war letzter Einlass werktags um 15:30 Uhr und am Wochenende um 16:30 Uhr). Für den Besuch genügen 45 Minuten. Der Weg auf den Hügel ist kurz, aber steil — bei Regen sind feste Schuhe ratsam. Gut kombinieren lässt sich der Besuch mit einem Spaziergang zum Felsen Krakauer Tor, zur Łokietek-Höhle und zur Herkuleskeule bei Pieskowa Skała.
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