Burgen
Rawa Mazowiecka, Łódź
Im achteckigen Turm der Burg von Rawa saßen einst Gefangene wie aus dem Geschichtsbuch: ein Sohn des schwedischen Königs, ein schwedischer Feldherr und ein selbsternannter Fürst der Moldau. Die gotische Burg in der sumpfigen Gabelung von Rawka und Rylka war nach Płock die zweite Residenz der Herzöge von Masowien und 1455–1462 Hauptstadt eines eigenständigen Herzogtums. Erhalten sind ein rekonstruierter Turm, ein Mauerabschnitt und der Grundriss der Fundamente in einem Stadtpark.
Die Burg entstand in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts als südwestlichste Festung Masowiens an der Handelsstraße von Pommern nach Ruthenien. Laut der Chronik des Janko von Czarnków gab Herzog Siemowit III. den Bau in Auftrag. Hier residierten Siemowit III., IV. und V. sowie Władysław I. und II. Nach der Eingliederung Masowiens ins Königreich Polen wurde die Burg Sitz des königlichen Starosten, und ab 1569 wurde hier auf Anordnung von König Sigismund August die „Quartsteuer“ für das Kronheer verwahrt.
Ein Brand im Jahr 1507 zerstörte die Anlage, die im ersten Viertel des 16. Jahrhunderts wieder aufgebaut wurde. Militärisch bedeutungslos geworden, diente die Burg nun als Gefängnis für prominente Häftlinge, darunter Karl Gyllenhielm, Sohn König Karls IX. von Schweden, der Feldherr Jacob De la Gardie, Christoph von Mecklenburg, Koadjutor des Erzbischofs von Riga, und Iwan Pidkowa, ein Thronprätendent der Moldau. Ab dem 17. Jahrhundert verfiel die Burg: Die Schweden beschädigten sie während der „Sintflut“, ab 1794 und unter preußischer Herrschaft wurde sie abgetragen, und 1859 zerstörte ein Blitz den letzten Turm. 1954–1958 legte man die Fundamente frei und rekonstruierte den Turm und ein Stück der Kurtinenmauer.
Das Museum des Rawaer Landes hält die Burg für eines der vollkommensten Beispiele einer regelmäßigen Burg mit Eckturm in Polen. Gegenüber der Einfahrt stand ein langer Wohnpalast nach dem Vorbild von Bauten in den Burgen des Deutschen Ordens und seiner Bischöfe. Das Tor schützten ein Vortor und eine Zugbrücke.
Die Ruine liegt in einem Park, von außen können Sie sie also das ganze Jahr über besichtigen – planen Sie 30–45 Minuten ein. Wer in den Turm und ins Verlies möchte, kommt an einem Sommerwochenende. Außerhalb der Saison vereinbaren Gruppen einen Termin direkt mit dem Museum. Rawa liegt auf halber Strecke zwischen Łódź und Warschau und eignet sich gut für einen Zwischenstopp.
Baszta: czerwiec-wrzesień w soboty i niedziele 11:00-15:00; poza sezonem wnętrze dla grup po umówieniu.
Baszta: normalny 8 zł, ulgowy 4 zł.
ul. Łowicka 26, 96-200 Rawa Mazowiecka (adres muzeum zarządzającego basztą)
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