Märkte & Altstädte
Trzebiatów, Westpommern
Marktplatz und Rathaus in Trzebiatów (Treptow an der Rega) bilden den Mittelpunkt einer der schönsten Kleinstädte Hinterpommerns, etwa 30 Kilometer südwestlich von Kołobrzeg (Kolberg). Ein quadratischer, gepflasterter Platz, das Rathaus von 1701 und bunte Giebelhäuser, überragt vom 90 Meter hohen Turm der Marienkirche – der Ausflug von der Küste lohnt sich das ganze Jahr.
Treptow erhielt am 6. Mai 1277 das lübische Stadtrecht von Herzog Barnim I. Das schachbrettartige Straßennetz aus jener Zeit ist bis heute erhalten, die gesamte Altstadt steht unter Denkmalschutz. Die Stadt gehörte der Hanse an und betrieb an der Regamündung in Deep (heute Mrzeżyno) einen eigenen Seehafen.
Für die pommersche Kirchengeschichte ist Treptow ein Schlüsselort: Im Dezember 1534 beschloss der Landtag zu Treptow unter den Herzögen Barnim IX. und Philipp I. die Einführung der Reformation in Pommern; Johannes Bugenhagen, zuvor Rektor der Treptower Stadtschule, arbeitete die Kirchenordnung aus. Tagungsort war die Heiliggeistkapelle, heute ein orthodoxes Gotteshaus.
Von der etwa 2,5 km langen Stadtmauer ist ein großer Teil erhalten, die vier Stadttore dagegen nicht. Ein Kuriosum: Am 28. Mai 1944 drehte Veit Harlan in Treptows Straßen Szenen für den Propagandafilm „Kolberg“ – die Altstadt stellte Breslau im Jahr 1813 dar, Einwohner wirkten als Statisten mit.
Am 4. März 1945 erreichte die Rote Armee die unversehrte, mit Flüchtlingen überfüllte Stadt; Zerstörungen folgten erst nach Ende der Kämpfe. Bis 1946 wurde die deutsche Bevölkerung vertrieben, Treptow wurde zu Trzebiatów.
Das gotische Rathaus aus dem 15. Jahrhundert brannte 1696 ab, der heutige Backsteinbau entstand 1701 auf den alten Fundamenten. Achte auf:
Viermal täglich – um 9, 12, 15 und 18 Uhr – erklingt vom Turm das Turmsignal der Stadt. Im Rathaus sitzt die Stadtverwaltung; ein Museum ist es nicht.
Die Häuser rund um den Markt wurden um 1700 nach einem Großbrand wiederaufgebaut. An Haus Nr. 26 prangt ein Sgraffito der Elefantenkuh Hansken, die 1639 in Treptow gastierte; es wurde 1914 bei Bauarbeiten freigelegt. Auf dem rund 2 km langen Elefantenpfad (Szlak Słonia) erklären Tafeln auf Polnisch und Deutsch die wichtigsten Baudenkmäler – ideal für deutsche Besucher.
Der Markt ist jederzeit frei zugänglich. Am Rathaus gibt es einen Touristeninformationspunkt; aktuelle Öffnungszeiten veröffentlicht er in den sozialen Medien. Plane für die Altstadt 1 bis 2 Stunden ein. Aus Berlin fährst du über Stettin (Szczecin), das rund 110 km südwestlich liegt; ab Kolberg führt die Straße 102 hierher, und Regionalzüge der Strecke Goleniów–Kołobrzeg halten in Trzebiatów. Im Zentrum ist das Parken werktags gebührenpflichtig.
Im Sommer feiert die Stadt das Grützefest (Święto Kaszy) und das Kulturfestival „Sąsiady“, das auch von der deutschen Minderheit mitgestaltet wird. Partnerstädte sind unter anderem Wandlitz, Grevesmühlen und Großräschen.
Zwei Minuten entfernt steht die Marienkirche, am Mühlengraben das Schloss mit Museum und an der Stadtmauer der Grützturm. Bis zum Strand in Mrzeżyno (Deep) sind es rund 10 km.
Prüfe aktuelle Informationen vor dem Besuch.
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Geprüft: Oktober 2026